Hörbeeinträchtigung, Hyperakusis, Tinnitus

„Marga hört zu viel!“


Hyperakusis, Überempfindlichkeit gegen Lärm, ist allgemein weniger bekannt als Tinnitus, aber es gibt viele Menschen, die mehr oder weniger stark darunter leiden.
In diesem Rubrik «Marga hört zu viel!»  schreibt Marga van Hintum regelmässig über ihre Erfahrungen mit Hyperacusis.

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Jugenderinnerung ohne Muskatnuss
Kochen, das mache ich gerne. Das habe ich Ihnen schon einmal gesagt. Ich würde gerne etwas Neues ausprobieren. Selbst alte Favoriten erscheinen manchmal auf dem Tisch. Rütteln mit den Pfannen und Topflöffeln, aber natürlich so leise wie möglich. Wegen der Hyperakusis *, die mich zwingt, ab und zu Maßnahmen zu ergreifen. Aber dieses Kochen, das tue ich gerne, und es ist sehr schön, das Ergebnis danach zu essen. Zusammen mit meiner Liebsten.
Früher, als Kind, habe ich nie gekocht. Das tat meine Mutter, die immer zu Hause war. Wer hatte den Tee fertig, als wir, die Kinder, aus der Schule kamen? Diese liebe Mutter, die im Haus Karriere machte. Unter anderem zwei Kinder großziehen. Schönes Kochen und Backen. Und auch einen riesigen Garten zu pflegen, ein großes Haus sauber zu halten und nicht zuletzt tagsüber im Laden zu Hause zu sein, weil Mann-lieb ausserhalb des Hauses arbeitete.
Ach ja, die Kleidung, die hat sie alle selbst gemacht. Ein Hobby? Sie hatte keins. Aus dem einfachen Grund, weil sie einfach nicht die Zeit dafür hatte. Was meinen Sie damit, Hausfrauen hätten nichts zu tun?
Meine Mutter gab mir das Gen für das Kochen und das Gartengen, glaube ich. Vielen Dank, Ma! Meine Mutter und ich kochen jedoch ganz anders. Das ist natürlich nicht so merkwürdig, da wir einer anderen Generation angehören. Die Zeit geht weiter.

Mit einem Brei
In den 1960er Jahren wurden alle Gemüsesorten zu Brei gekocht, der mit einem festen Stich versehen war. Den Begriff Pasta gab es noch nicht. An Samstagen bekamen wir gelegentlich Makkaroni. Das war damals revolutionär. Wir kannten weder Brokkoli noch Avocado. Sie waren wahrscheinlich da, aber für eine einfache Mittelklassefamilie waren sie viel zu teuer.
Meine Mutter backte am Wochenende ein Rosinenbrot, das auch ein regelmäßiger Snack war. Und hin und wieder gab es Apfelkuchen, selbstgebacken. Aber nicht jede Woche. Wir hatten nicht diese Art von Luxus. Noch nicht.
Mit dem Blumenkohl kam ein Brei aus Butter, Mehl und Milch. Mit Muskatnuss, weil das dazugehörte. Auch mit den grünen Bohnen, Lauch, Chicorée, Rüben und Kohlrabi. Neben den Salzkartoffeln und dem Fleischstück. Und am Freitag gab es Fisch, guter katholischer Brauch. Ich erinnere mich lebhaft daran.

Und die Muskatnuss?
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich über die Menüs in unserem Haus nachgedacht. Über das vergessene Gemüse, wie wir es heute nennen. Schwarzwurzel, von der Sie solche schwarzen Hände haben. Ich habe es selbst nie geschafft. Rüben und Kohlrabi, die ich in meiner eigenen Kochkarriere auch nie zubereitet hatte. Also bat ich meine Liebste, so etwas mitzubringen. Und so geschah es.
Es lag Kohlrabi auf dem Tisch. In kleinen Würfeln. Jetzt al dente gekocht. Dieser Brei aus alten Zeiten, der kocht, das wurde mir ein bisschen zu nostalgisch. Aber mit einem Brei. Reine Nostalgie.
Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich gelernt habe, den Brei zuzubereiten. Ich habe nie zu Hause gekocht. Das habe ich gerade geschrieben. Das ist aber nicht ganz richtig. So gut wie nie. Eines der wenigen Male, die ich zu Hause kochte, war dem Brei gewidmet.
Diesen Brei, dessen Zubereitung ich zuerst lernen musste, dachte meine Mutter. Bevor ich als junge Erwachsene in die weite Welt hinausgehen würde. Schritt für Schritt führte sie mich zu einer perfekten „Mehlschwitze“ . Das Tüpfelchen auf dem Kuchen war ein großes Stück Muskatnuss. Was ich als Kind überhaupt nicht mochte. Ich erinnere mich lebhaft daran. Wie wäre das als Erwachsener, über 50 Jahre später? Würde sie mir jetzt gut schmecken, die Muskatnuss?
Ich mochte es trotzdem nicht. Einmal, aber nicht mehr. Nächstes Mal mache ich also köstlichen Kohlrabi, mit einem Brei, aber ohne Muskatnuss!

  • Hyperakusis, wörtlich: „Ich höre zu viel“, ist ein Zustand, bei dem Sie überempfindlich auf gewöhnliche Alltagsgeräusche reagieren. „Die Lautstärkeregelung von Umgebungsgeräuschen ist für jemanden mit Hyperakusis permanent zu hoch“ ( Quelle: stichting Hoormij ). Für mich sind vor allem höhere Frequenzen sehr störend und tun mir im Kopf weh. Hyperakusis kommt in vielen Formen vor. Und oft auch in Kombination mit Tinnitus.

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Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Um Zug


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Liebe Leserinnen und liebe Leser, die letzte paar Wochen war ich nicht online und das hatte einen Grund. Meine Mutter hat von Ihrer Senioren Wohnung in einen Pflegeheim gezügelt und ich war 2 Wochen bei ihr in den Niederlanden um zu helfen.
Die Vorbereitungen und den Umzug selbst und auch die Zeit danach verliefen reibungslos. Mein Bruder und ich haben mit etwas Hilfe fast das ganze Wohnzimmer meiner Mutter ins neue Zimmer unterbringen können und am Abend des Umzugstages sah es recht gemütlich aus.
Die Woche nach dem Umzug waren mein Bruder und ich die ganze Woche voll beschäftigt, die alte Wohnung aufzuräumen und zu schauen was wir behalten wollten und was weg konnte. Eine harte Arbeit, kann ich Ihnen verraten. Nicht nur Physik, sondern auch Psychisch, weil natürlich sehr, sehr viel Erinnerungen hoch kommen bei Gegenständen, Bilder und Dokumenten.
Dazu habe ich täglich meine Mutter in ihrer neuen Wohnumgebung besucht.
Aber wir haben es geschafft und hoffen das unsere Mutter noch welche angenehme und gesellige Tage in ihrer neuen Umgebung verbringen kann.

Weil ich keine Lust hatte auf lange Wartezeiten am Flughafen, vollgepackte Flüge und begrenzte Flugmöglichkeiten, hatte ich mich für meine Reise in den Niederlanden und zurück diesmal entschieden mit dem Zug zu reisen.

Meine Hinreise verlief ohne Probleme. Von Zürich reiste ich nach Frankfurt HB, von Frankfurt HB nach Arnheim und von Arnheim musst ich noch einmal umsteigen. Kaum Verspätungen und alles klappte wie es sollte.
Meine Rückreise aber, war eine ganz andere Sache. Erstens war mein Koffer ein wenig schwerer, weil ich kleinere Sachen zum Mitnehmen eingepackt hatte. Zweitens hatte ich mir blöderweise nach dem Umzug meinen Fuss verstaucht. Diese Kombination war nicht ideal.
Der Anfang war noch in Ordnung. Freundlicherweise vom Nachbarn meiner Mutter zum Bahnhof gebracht, war ich rechtzeitig in Utrecht, von wo ich meine Verbindung nach Frankfurt HB anfangen würde. In Frankfurt HB sollte ich dann umsteigen auf dem Zug nach Zürich HB. Sollte.
Schon kurz nach Abfahrt in Utrecht, wurde klar das meinen Verbindungszug in Frankfurt nicht ab Frankfurt, sondern ab Mannheim fahren würde. Das bedeutete, das ich schon in Frankfurt Flughafen noch mal extra nach Mannheim umsteigen musste. Da ich die Durchsagen nicht verstehe und mein ÖV app mir keine Meldungen anzeigte, der WiFi im Zug haderte, und ich besonders Müde war (das heisst weniger Konzentriert) hat mein Mann mir per Whatsapp im Laufenden gehalten.

In Mannheim hatte mein Zug nach Zürich 45 Minuten Verspätung. Etwa 10 Minuten vor Einfahrt meines Zuges, bekomme ich eine Nachricht meines Mannes: «Gleiswechsel»! Bestimmt durchgesagt aber … Erst dann stand es auch angezeigt auf den Gleisinformationen die ich selbstverständlich regelmässig kontrolliert hatte.
Mit schwerem Gepäck schnell vom einen zum anderen Gleis, und als ich endlich im Zug eingestiegen war, ist der schon sofort abgefahren. Knapp geschafft, aber geschafft.
Dann kam der nächsten Hürde: Kurz vor Freiburg (D) kam der Nachricht das der Zug nicht bis Zürich HB fahren würde, sondern bis Basel HB. Das bedeutete noch mal in Basel nach Zürich umsteigen. Auch hier wurde dies bestimmt in Zug durchgesagt, aber …
Zum Glück wurde diesmal die Fahrplanänderung im Zug zwar spät aber gut visuell angezeigt.
Als ich dann endlich wieder zu Hause angelangte, nach eine Reise von etwa 13 Stunden und 2 Mal extra umsteigen, war ich total fertig vom ständigen Aufmerksam sein.

Ob ich das nächste Mal wieder mit den Zug verreise? Ich denke das sei durchaus möglich. Ehrlich ist Ehrlich, beim Fliegen kann auch vieles schiefgehen und passieren und späte Gate Änderungen sind auch möglich. Und die Durchsagen am Flughafen verstehe ich genau so wenig.
Und trotz Schwierigkeiten bin ich wieder heil nach Hause gekommen, sei es etwas später als geplant. Einen Gepäckträger, unverletzten Fuss, gut funktionierenden WiFi und Apps würde ich aber das nächste mal wohl besonders schätzen 😉

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Hörbeeinträchtigung

Meine Aufgabe


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In den letzten Tagen ist die Welt in den Bann von Massenprotesten, sowohl in den USA als anderswo. Anlass zu diesen Protesten war der Tot vom Afroamerikaner George Floyd.
George Floyd wurde von amerikanischen Polizisten so brutal misshandelt das er daran starb.

Persönlich bin ich aufgewachsen mit der Idee, das jeder Mensch gleich sei, obwohl ich anders erlebt habe: in der Schule wurde ich gemobbt weil ich «anders» war. Viele Mitschülern haben es halt nicht akzeptiert das ich «anders» war und wussten nur durch Mobbing damit umzugehen. Das Dorf wo ich aufgewachsen bin, war damals eher eine geschlossene Gemeinschaft, fast ohne «Aussenseiter». Und was man nicht kennt …. traut man nicht, oder macht unbeliebt.
Rassismus und Diskriminierung sind nicht neu, sondern von allen Zeiten und der Grund ist meistens … das Unbekannte. Als weisser Mensch, kann ich nicht verstehen wie es ist, täglich mit Rassismus konfrontiert zu werden. Jedoch, als offener Mensch, tut mir das Leiden so vielen Menschen weh.

Genau so wie es mir weh tut, das viele Menschen mit einer Beeinträchtigung, Behinderung oder Handicap (wie man es auch nennen möchte) täglich ihren Weg in und durch unsere Gesellschaft kämpfen müssen. Täglich Barrieren auf ihren Weg begegnen. An dieser Stelle möchte ich diejenige Heute auch mal ein grosses Respekt zollen. Egal ob man nun «gut gerüstet», «mit offenem Visier» oder ganz lässig den Alltag entgegentritt, hat man einer Beeinträchtigung, Behinderung oder Handicap, irgendwann und irgendwo trifft man einen oder mehrere Hürde, die es zu meistern gibt.
In der hiesige Gesellschaft ist alles schneller und näher, unter anderem durch die sozialen Medien, und nehmen die Menschen sich kaum noch Zeit zum (selbst)Reflektieren, stellen sich kaum noch die Frage «wer bin ich und wie stehe ich in dieser Gesellschaft?».

Schon seit Jahren versuche ich Menschen über das Leben mit einer Hörbeeinträchtigung zu Informieren, einerseits das «Unbekannte» bekannter zu machen damit der Akzeptanz grösser wird.
Andererseits versuche ich zu zeigen, das hörbeeinträchtigte Menschen nicht nur fordern sollten, sondern auch ihre Eigenverantwortung haben und sie zu mehr Selbständigkeit zu ermutigen.
In diesem Sinne, habe ich langsam meine Aufgabe in dieser Gesellschaft gefunden. Ob ich nun meine Blogbeiträge verfasse, oder meine Sensibilisierung Workshops leite, alles was vorher geschehen ist und was später noch geschehen wird, hat mich zu dieser Aufgabe geführt.
Sogar jetzt, da ich diesen Beitrag schreibe, spüre ich die Bedeutung dieser Erkenntnis.
Wie sich meine Aufgabe künftig noch entwickeln und gestalten wird, steht noch in den Sternen aber das es sie gibt ist mir klar. Und ich wünsche Ihnen, das sie Allen ihre persönliche Aufgabe ebenso entdecken werden.

Auch wenn man etwas nicht verstehen kann, können wir noch Mitgefühl und Respekt haben und zeigen. Auch wenn wir persönlich nichts an Tatsachen ändern können, wir können bei uns selbst anfangen unseren Angst vor dem Unbekannten abzubauen.
In den Sensibilisierung Workshops bemerke ich erst richtig wie das funktioniert. Wenn man offen ist, Selbstbetroffene zu zuhören und zu erfahren was sie brauchen, nehmen Berührungsängste ab und nimmt das Verständnis zu. Und wenn die Augen, sei es auch kurz, mal geöffnet werden, wirkt das auch auf anderen Ebenen durch.

Seien Sie also sicher: Ich verstehe das ich nie verstehen werde. Aber ich stehe neben Ihnen – I understand that I will never understand. However, I stand.

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Akustiker, Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

„Vom Akustiker gehört“


In dieser Rubrik hält das Akustiker Team Sie auf dem Laufenden in Sache Technik, Beratung, Umgang mit Hörgeräte und persönliche Erfahrungen im Beruf eines Akustikers.

Das Akustiker Team besteht aus 2 Akustikerinnen und Oscar, ihr Mental Coach auf 4 Pfoten.
Heute stellt Oscar, der mental coach, sich vor.

Ich bin Oscar.
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Damit wäre für mich alles gesagt. Heike und Julia haben mir jedoch zu verstehen gegeben, dass diese Angabe möglicherweise für die Leser etwas knapp und mein Vorstellungsblog sehr übersichtlich ausfallen würde.

Ich bin Oscar. Ich lebe im Hier und Jetzt, schnüffle leidenschaftlich und bin einfach gerne mit meinen Menschen zusammen. Im Juni 2020 werde ich 4 Jahre jung und ich gehöre fast mein ganzes Leben lang zum Team Ohrladen Schlieren.

Ich liebe meine Aufgabe als Fitness- und Mentalcoach.

Denn jeder braucht im Leben eine Aufgabe, die er liebt.

Fit sind meine Menschen durch tolle Gassirunden mit mir durch Wald und über Wiesen. Der Part als Mentalcoach ist meine wichtigere Aufgabe. Ich als Hund lebe, wie bereits gesagt, im Hier und Jetzt. Wenn ich Situationen oder Begegnungen erlebt habe, die ich merkwürdig finde, dann schüttle ich mich und schon ist die Welt für mich wieder in Ordnung.

Menschen aber scheinen manchmal mit ihren Gedanken bei vorhin, gestern und bei morgen hängen zu bleiben. Sie vergessen im Moment zu Leben. Doch nur dieser Moment ist wichtig, ihn mit allen Sinnen erleben. Und ich darf sagen, meine Menschen lernen dazu und machen das immer besser. Da mache ich einen guten Job. Ich lerne von Ihnen und sie lernen von mir. Ein wertvoller Austausch.

So spüre ich die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne auf meinem Fell, höre wie der Wind durch das Gras raschelt, ein kleiner Käfer Freudentränen lacht und erschnuppere, was für mich viel interessanter ist, die unterschiedlichsten Dinge. Ich nehme mit meiner Nase wahr, dass eine Katze heute morgen hier den Weg gekreuzt hat und eine attraktive Hündin in 2km Entfernung döst. Ich könnte Euch so viel mehr erzählen, ihr würdet Ohren und Augen aufreissen.

Was ich über Ohren, Hören und Verstehen bereits gelernt habe – davon berichte ich Euch ein andermal.
Jetzt geht es erst einmal los auf die Mittagsrunde durch den Schlieremer Wald. Vielleicht treffe ich dort auf die attraktive Hündin!

Worauf freust Du Dich? Wobei geht Dir Dein Herz auf?

Herzlichst, Euer Labbi Oscar

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Aufklärung, Hörbeeinträchtigung

Hören ist nicht das gleiche wie Verstehen


Beziehung, Frage, Marke, Männlich

Vor einiger Zeit sagte ich den Teilnehmern eines meiner Workshops, dass „Hören nicht das gleiche ist wie Verstehen“. Danach bekam ich die Rückmeldung, dass es beim nächsten Mal besser wäre, diesen Satz etwas mehr zu erklären, da nicht alle diesen Satz verstanden hätten. Als ich darüber nachdachte, konnte ich das natürlich gut verstehen und begann nach Beispielen zu suchen, um diesen Satz zu verdeutlichen.
In diesem Beitrag möchte ich einen genaueren Blick auf die Begriffe Hören und Verstehen werfen und erklären, warum diese Begriffe nicht das gleiche bedeuten.

Hören
Durch unsere Sinnesorgan Ohren können wir hören. Unser Gehirn verarbeitet täglich eine enorme Menge an Klängen, Tönen, Stimmen und Musik. Ein grosser Teil dieses Prozesses ist meist unbewusst. Ein Beispiel ist folgendes: Sie gehen auf der Straße und sind in Gedanken oder sogar im Gespräch mit jemandem. Um Sie herum wird viel geredet und manchmal geschrien, aber Sie nehmen dies nicht wahr. Plötzlich trifft ein Ton in ihrem Inneren, Sie wissen nicht warum, denn Sie haben noch nichts verstanden, aber Ihre Aufmerksamkeit ist geweckt. Sie hören den Ton noch einmal, und dann dringt es plötzlich durch: Jemand ruft Ihren Namen. Sie drehen sich um und sehen einen Bekannten, der Ihnen zuwinkt.
In diesem Beispiel haben Sie höchstwahrscheinlich den Klang Ihres Namens gehört oder aufgefangen, bevor Sie ihn verstanden haben.

Ein anderes, vielleicht etwas einfacheres Beispiel: Sie sind auf einer Geburtstagsfeier, mit vielen Gästen und Hintergrundmusik. Die Gastgeberin fragt Sie, ob Sie etwas trinken möchten. Sie hören und sehen nur, dass die Gastgeberin etwas zu Ihnen sagt, vielleicht sagt Ihnen sogar ihre Haltung, dass das, was sie sagt, eine Frage ist. Aber das war’s, denn Sie hören, aber verstehen nicht, was sie sagt.
Manchmal fragt Sie jemand: „Haben Sie mich gehört?“, wenn er oder sie eigentlich meint: „Haben Sie mich verstanden?

Kurz gesagt, wir können hören und wahrnehmen, ohne zu verstehen und zu begreifen, was gesagt wird.

Verstehen
Unser Gehirn ist so intelligent, dass wir, wenn wir als Kind Wörter hören, in den meisten Fällen lernen, diese Wörter und spätere Sätze zu verstehen. Auf diese Weise lernen wir, dass ein Baum ein Baum und eine Kuh eine Kuh ist, auf diese Weise lernen wir Sprache und später auch das Schreiben. Und selbst wenn wir schlecht oder gar nicht hören können, gibt es die Möglichkeit, die Gebärdensprache mit Hilfe von Gesten zu erlernen. Mit Hilfe von (Gebärden)Sprache und Schrift können wir Menschen einander verstehen und miteinander kommunizieren.

Auch Tiere kommunizieren mit uns, auf ihre eigene Art und Weise, und manchmal können wir sie sogar verstehen. Durch Übung und Verständnis lernen wir zum Beispiel, was unsere Haustiere von uns Menschen wollen (normalerweise essen, trinken und/oder nach draussen gehen). Durch diese Interaktion können wir lernen, sie zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren.
Zum Beispiel hatte ich selbst manchmal ganze Dialoge mit unseren Katzen, die gelegentlich miauten, als ob sie mich verstehen und mir Antworten geben würden.

Wir können einander nicht nur durch Worte, sondern auch durch Gesten oder Körpersprache verstehen. Wenn mein Mann mich zum Beispiel morgens aufweckt, muss er nicht sagen: „Ich habe dich geweckt“ oder „Du musst aufstehen …“, denn das habe ich schon verstanden und begriffen.
Durch Lippenablesen kann ich auch Dinge verstehen, ohne sie tatsächlich zu hören, obwohl eine Kombination aus beidem natürlich immer noch am besten ist.

Kurz gesagt: Verstehen ist nicht das gleiche wie Hören, es ist viel mehr als das.

Mit dieser kurzen, nicht-wissenschaftlichen Erklärung hoffe ich, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, verstanden haben, was ich gesagt – und geschrieben – habe, auch ohne mich gehört zu haben.

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Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Ein modernes Märchen, oder doch nicht?


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Die meisten Märchen beginnen mit den legendären Worten „Es war einmal…“. Auch die nächste Geschichte beginnt damit, ob es sich nun um ein Märchen handelt, das überlasse ich gerne den Lesern.

Es war einmal … ein junger Mann, der an einem gewöhnlichen Tag durch einen gewöhnlichen Wald spazierte. Dieser junge Mann genoss die farbenfrohe Natur, die grünen Bäume, durchsetzt mit violetten Heidekraut.
Es war früh am Morgen und die Vögel sangen ihr Morgenlied. Der junge Mann hat dieses Lied jedoch nicht gehört.
Nach einem langen Spaziergang entdeckte der junge Mann eine kleine, niedrige Holzhütte mit einem Dach. Die Hütte hatte nur eine Eingangstür und keine Fenster. He, murmelte der junge Mann überrascht: Was macht diese Hütte dort und wem würde sie gehören?
– Diese Hütte gehört mir – klang eine alte, knisternde Stimme. Der junge Mann hat diese Stimme nicht gehört.

Plötzlich schreckte der junge Mann auf: Die Tür der Hütte öffnete sich und eine alte Frau in einem langen, bunten Kleid, dunklen spitzen Schuhen und langen grauen Haaren stand in der Türöffnung.
– Ich sagte, diese Hütte gehört mir – wiederholte die Frau mit ihrer alten, knisternden Stimme. Und wieder hörte der junge Mann die Stimme der alten Frau nicht. Aber er sah, wie sich ihr Mund bewegte, und las ihr die Worte von den Lippen ab.

– Oh, antwortete der junge Mann, Sie leben so abgelegen und allein in dieser Hütte. Sie sind nicht zufällig eine Hexe, oder? – Er sah die alte Frau lachen. Das Knacken hat er dann wieder nicht gehört.
– Nein, ich bin wirklich keine Hexe – las dem jungen Mann von den Lippen ab, als sie ausgelacht war.
– Ich bin einfach alt und lebe gern allein in dieser Hütte – Die alte Frau musste diesen Satz noch mal wiederholen, weil der junge Mann nicht alles verstanden hatte.
– Oh, wie schade – antwortete der junge Mann. – Wenn Sie eine Hexe gewesen wären, hätten Sie meine Taubheit wegzaubern und mich wieder hören lassen können -.

Die alte Frau dachte einen Moment lang über diese Worte nach. Dann gab sie dem jungen Mann folgende Antwort: – Wäre ich eine Hexe gewesen und hätte ich dich wieder hören lassen können, hätte ich im Gegenzug um deine Seele bitten sollen. Deshalb bin ich froh, dass ich keine Hexe bin. –
Sie kamen überein, dass der junge Mann am nächsten Tag um die gleiche Zeit für seine Antwort zurückkommen würde.

Am nächsten Tag kehrte der junge Mann frühmorgens an den Ort zurück, an dem er am Vortag die Hütte und die alte Frau gefunden hatte. Die alte Frau wartete bereits in der Türöffnung auf ihn. Sie wünschten sich gegenseitig einen guten Morgen, und der junge Mann war auf seine Antwort an die alte Frau vorbereitet.
– Sie haben Recht – sagte der junge Mann. – Ohne eine Seele könnte ich nicht denken, fühlen, riechen und sehen. Ohne eine Seele könnte ich nicht leben. Ohne Gehör ist das Leben nicht immer einfach, aber ich kann trotzdem die Dinge geniessen, die mir aus der Seele kommen. Deshalb bin ich froh, dass Sie keine Hexe sind. –
Die alte Frau nickte. Der junge Mann und die alte Frau begrüssten sich, und der junge Mann setzte seinen Spaziergang fort.

Der junge Mann ging dann später noch mehrmals hin, um die Hütte und die alte Frau zu suchen, aber er fand sie nie wieder.

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Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Schule- und Berufswahl für junge Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung


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In dieser Zeit des Jahres herrscht in den Schulen und an anderen Lehrinstituten meistens Matura Stress oder Prüfungsstress.
Die Fragen «Welche Ausbildung oder Weiterbildung wähle ich?» oder «Welches Beruf passt zu mir?» sind entweder schon geklärt oder werden in absehbarer Zeit geklärt.

Für alle junge Menschen eine spannende und entscheidende Zeit, in der sie individuell und (hoffentlich) in freier Wahl, die erste Schritte auf dem beruflichen Weg machen.
Für viele hörbeeinträchtigte junge Menschen, kommt bei ihren Schul- und Berufswahl meistens noch eine entscheidende Frage hinzu: «welche Ausbildung oder Arbeit kann ich mit meiner Hörbeeinträchtigung nachgehen?»

Zwar liegt dieser Berufs- oder Ausbildungswahl schon lange hinter mir, ich wusste damals aber ganz genau was ich wollte, nämlich Geschichtswissenschaft studieren. Lehrerin wollte ich sicher nicht werden, ich hatte aber einen Diplomatenlaufbahn vor Augen. Das aus der Diplomatenlaufbahn nichts geworden ist und mein Leben anders verlaufen ist, konnte ich in dieser Zeit noch nicht ahnen und ist eine andere Geschichte :-). Diese Geschichte hat allerdings nichts mit meiner Hörbeeinträchtigung zu tun. Fakt ist jedoch, ich hatte meinen Wahl gemacht bevor mein Hörverlust auftrat und meine Hörbeeinträchtigung hat mich von meiner Ausbildung und meiner Berufswahl nie abgehalten.
Ich war sogar recht schockiert als mir vor ca. 13 Jahre sogar Freiwilligenarbeit im Tierheim abgeraten wurde. Ich wollte mit Hunden spazieren gehen, aber die Hunde konnten ja mal aggressiv werden und ich würde das nicht hören. Sogar bei Katzen konnte ich vielleicht das Fauchen nicht hören … Da ich aber selbst Katzen hatte, konnte ich wenigstens dieses Argument widerlegen.

In den Schulen und Lehrinstitutionen wurden früher junge Menschen öfters gesagt: «vergiss es, das kannst du nicht mit deiner Hörbeeinträchgigung». Man hatte den Wahl sich damit abzufinden, oder dagegen anzukämpfen.
Die heutige Generation der hörbeeinträchtigten Menschen ist zum Glück viel besser ausgebildet und hat mehr Chancen in der Arbeitsmarkt. Was aber noch nicht heisst, das es keine Stolpersteine gibt …

Klar, manche Berufe verlangen von einem hörbeeinträchtigten Menschen sehr viel ab, dass ist in meiner Optik aber noch keinen Grund diese Berufe zu meiden. Ich kenne genug hörbeeinträchtigte Menschen die in kommunikativ anspruchsvollen Berufe arbeiten.
Dazu braucht es vor allem ein Mass an Selbstvertrauen und Selbstkenntnis. Selbstvertrauen um sich durchzusetzen und am Ziel zu kommen. Selbstkenntnis um von sich selbst zu wissen was man für seine Kommunikation braucht und das nach aussen austragen zu können.

Aus diesen Grund, sollte für die junge hörbeeinträchtigte Menschen die wichtigen Berufsfragen nicht nur sein: «was will ich und was kann ich?» sondern auch «was brauche ich um meinen Ausbildung/Beruf zu verwirklichen?»
LeserInnen die mich schon länger folgen, wissen inzwischen schon, dass ich Selbstständigkeit und Unabhängigkeit für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung betone.
Je besser ich mich selbst kennenlerne, desto besser weiss ich, was ich für eine, für mich, optimale Kommunikation brauche und kann dies auch andern vermitteln.

An dieser Stelle möchte ich darum alle ankommenden Studenten, Lernenden, Arbeitnehmer – und auch alle Anderen – ermuntern sich nicht zu fragen «WAS kann ich?» sondern «WIE kann ich?», und wünsche euch einen schönen Start ins Berufsleben.

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Auditive Herausforderung, Hyperakusis, Tinnitus

„Marga hört zu viel!“


Hyperakusis, Überempfindlichkeit gegen Lärm, ist allgemein weniger bekannt als Tinnitus, aber es gibt viele Menschen, die mehr oder weniger stark darunter leiden.

In diesem Rubrik «Marga hört zu viel!»  schreibt Marga van Hintum regelmässig über ihre Erfahrungen mit Hyperacusis.

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Speziell? Ja, so ist es!
Sie haben schon lange nichts mehr von mir gehört. Der Grund?
Ich habe seit ein paar Monaten eine ziemlich harte Zeit hinter mir. Warum war das so? Ich hatte insgeheim meine Hoffnungen in meinen Besuch beim HNO-Arzt gesetzt. Derselbe Arzt, bei dem Miriam van Soest gewesen ist. Am 2. Juli 2019 schrieb sie einen ersten Beitrag über ihre starke Hyperakusis. Und über die experimentelle Methode der Dämpfung, die Ergebnisse bringen würde. Siehe “ Hyperakusis mit experimenteller Dämpfung “ von Mirjam van Soest, vom 2. Juli 2019.

Experimentelle Dämpfung
Ich hatte Hoffnung. Aber ich habe nicht nur Tinnitus, sondern auch Hyperakusis*. Mir war sehr wohl klar, dass der Tinnitus die Arbeit zunichte machen könnte. Aber trotzdem: Angenommen, es könnte auch für mich funktionieren, wenn auch nur ein bisschen…

Ich musste 2 Monate warten, bevor ich zum HNO-Arzt gehen konnte. Ich lief auf kleinen Wolken. Ich schwebte hin und wieder. Hoffnung wechselte sich mit Realismus ab. Dass es nichts für mich tun würde. Aber die Hoffnung, sie blieb. Und dann kam endlich der Tag der Konsultation.
Jedenfalls war innerhalb von 5 Minuten klar, dass die experimentelle Dämpfungsmethode mit Silikonklappen bei mir nicht funktionieren würde. Der Grund? Mein starker Tinnitus. Und die starke Hyperakusis.

Ich fiel auf eine höllische Art und Weise auf die Erde zurück. Mit einem gewaltigen Knall. Bam.
Meine Wolken sind zusammengebrochen. Ich habe schrecklich um sie geweint. Und ich habe das Pech gehabt, dass es sehr lange gedauert hat. Ich war niedergeschlagen, deprimiert. Im Herbst bin ich schon immer ein bisschen weniger optimistisch; die Tage werden immer kürzer und kälter, bah. Und jetzt kam das noch dazu.

Zu Hause
Aber dann war es endlich Frühling. Speziell? Nö …
Die Tage wurden länger. Der dicke Pullover konnte ausgezogen werden.
Und dann kam Corona.

Ich lebe seit 5 Jahren in einer Selbstisolierung. Nicht so streng wie jetzt, während der Coronakrise. Aber ich kann seit 5 Jahren nicht mehr in Bars, ins Kino oder auf Partys gehen. Nicht in die Wälder oder zu ausgedehnten Einkäufen. Ich gehe ab und zu in den Polder spazieren. Ich empfange keine grossen Gruppen. Nur ab und zu 1 Person zu Besuch. Daran war ich schon gewöhnt.
Für mich war es eigentlich nicht sehr gewöhnungsbedürftig, diese Corona. Das ist etwas strenger, so wenig wie möglich nach draußen zu gehen, das ist nur ein bisschen mehr für mich. Auch das kann überstanden werden. Keine Besucher, nun, dann eben nicht. Na und?

Jetzt, in der Corona-Zeit, sollten die Menschen so viel wie möglich zu Hause bleiben. Und ihre Freizeit im Haus ruinieren. Genau wie ich, als ich nach Hause kam. Sie können nicht ins Theater, ins Café oder ins Fitnessstudio gehen. Genau wie ich damals. Der Unterschied zu all den anderen Menschen ist, dass ich nicht viele soziale Medien nutze, um in Kontakt zu bleiben. Das hat mit meinem Wesen zu tun, aber auch mit meinen Beschwerden. Für mich hat Facebook viel zu viele Anregungen gegeben. Also habe ich sie schnell wieder entfernt. Das Telefonieren läuft nicht gut. E-Mail, das funktioniert bei mir glücklicherweise.

Viel Bewegung, bei guter Gesundheit müde zu werden, das ist jetzt für alle sehr wichtig. Und es ist gut für Geist und Körper. Natürlich werden die Yoga-Kurse jetzt nicht stattfinden. Aber mit langjähriger Erfahrung tun wir es gemeinsam. Zu Hause, mit meiner Liebsten, im Wohnzimmer. Auch das ist ein sehr schönes Gefühl! Das ist etwas ganz Spezielles.

In der Sonne
Und eines Morgens, letzte Woche, war ich draussen in der Sonne, an einem Gartentisch. Nichts Besonderes, würden Sie sagen.
Dort, in der Sonne, stelle ich die Tomatenpflanzen in getrennte Töpfe. Irgendetwas Besonderes? Nein, warum?
Diese Tomatenpflanzen waren in einem Monat so gross geworden. Das ist etwas Spezielles.
Aus einem dieser winzigen Samen entsteht nach vier Wochen eine Pflanze wie „Ich hab dich da“. Ziemlich speziell, denke ich.

Und was ist das Besondere daran? Dass ich an einem Werktag, am Mittwochmorgen, mit meinen Pflanzen draussen stand. In anderen Jahren musste ich das drinnen tun. Und natürlich eine Menge Reinigung danach.
Es gab nicht viel Verkehr und es gab nicht viel Stadtlärm. Durch Corona. Damit ich nach draussen gehen konnte. In der Sonne. Ziemlich entspannt die Pflanzen umtöpfen.

Das war köstlich für mich. Ich denke, das ist etwas ganz Spezielles!

* Hyperakusis, wörtlich „Ich höre zu viel“, ist ein Zustand, in dem man gegenüber normalen Alltagsgeräuschen überempfindlich ist. Alles klingt zu laut. „Der Lautstärkeknopf der Umgebungsgeräusche steht für jemanden mit Hyperakusis, der dauerhaft auf zu hoher Stufe steht“ (Quelle: Stiftung Hoormij).
Hyperakusis tritt in vielen Formen auf. Für mich sind besonders hohe Frequenzen sehr ärgerlich und verletzen meinen Kopf. Ich habe auch Tinnitus. Die Konzentration ist schwieriger und die Konzentration auf eine Schallquelle ist schwieriger.

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Auditive Herausforderung, Aufklärung, Gehörsturz, Hörbeeinträchtigung, schwerhörig

Mittelohrentzündung


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Über das Thema Mittelohrentzündung könnte ich fast ein ganzes Buch schreiben und ich darf mich wohl Erfahrungsexpertin nennen.
Als vor kurzem ein Bekannter von mir erzählte, er hatte zum ersten (und hoffentlich zum letzten) Mal einen Mittelohrentzündung gehabt, konnte ich mich also gut in ihm hineinversetzen. Und sofort kamen bei mir selbst wieder Erinnerungen hoch, die ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nicht vorenthalten möchte. Schon gar nicht um Mitleid zu erzeugen, im Gegenteil, sondern um aufzuklären. Überraschenderweise habe ich in verschiedenen Erfahrungsberichte wohl kaum über das Mittelohrentzündung gelesen, obwohl diese Entzündung nicht nur besonders schmerzhaft ist, sondern auch auf Dauer Spätfolgen haben kann. Und überlesen Sie bitte nicht «haben kann», weil ich nicht den Eindruck vermitteln möchte, das dies auch immer der Fall sei.

Dazu muss ich zuerst kurz erklären was genau eine Mittelohrentzündung ist. Aus dem Erfahrungsbezogene natürlich, nicht als Medizinerin.
Eine Mittelohrentzündung entsteht, wenn Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, also im Mittelohr, anfängt zu entzünden. Die Flüssigkeit hinter dem Trommelfell ist meistens folge einer Erkältung/Schnupfen oder Grippe.
Wenn die Flüssigkeit entzündet ist, drückt das ganze auf dem Trommelfell. Durch den Druck von innen, entstehen Schmerzen im Ohr und am Trommelfell. Vielleicht kennen Sie ja den Druck auf den Ohren beim Fliegen (Steigen und Landen) …
Je nachdem der Grad und Behandlung der Entzündung hat man mehr oder weniger Schmerzen. Die Behandlung kann bestehen aus Ohrtropfen, Antibiotikum, punktieren des Trommelfells von einem HNO-Arzt, oder auch kann das Trommelfell spontan durchbrechen. Auf jeden Fall sollte man unbedingt einen Hausarzt oder HNO-Arzt aufsuchen.

Als Kleinkinder hatten meinen Bruder und ich sehr oft Mittelohrentzündung, meistens einer Schnupfen zufolge. Und als wir mal keinen Mittelohrentzündung hatten aber zur HNO-Arzt Kontrolle mussten, konnte es oft passieren das der HNO-Arzt Flüssigkeit hinter unserem Trommelfell entdeckte und diese entfernen musste. Das ging dann mit Teilnarkose und es ist öfters passiert, dass meine Mutter mit zwei gesunden Kindern das Spital betrat jedoch mit ein oder zwei behandelte (kranke) Kinder wieder nach Hause musste.
Manchmal wurden operativ Röhrchen ins Trommelfell eingebracht, damit die Flüssigkeit ein Zeitlang von selbst aus dem Ohr kommen konnte. Die Röhrchen liessen nach etwa ein paar Monate bis ein halbes Jahr spontan vom Trommelfell los und meistens fing das Ganze dann von vorne wieder an.

Als ich 16 war, hatte ich meinen letzten grossen Mittelohrentzündung, dachte ich. Etwa zwei Jahre danach, wurde bei der regelmässigen Hörtest festgestellt, das ich am rechten Ohr Hörverlust hatte. Genug für ein Hörgerät. Das Trommelfell war von den vielen Mittelohrentzündungen vernarbt und war dadurch nicht mehr so flexibel. Der Flexibilitätsverlust vom Trommelfell zufolge, wurden Geräusche und Töne nicht mehr gut ins Mittelohr und Innenohr weitergeleitet, was zu meinem anfänglichen Hörverlust führte.
Im späteren Alter hatte ich dann noch zwei Mal einen Mittelohrentzündung, der zur weiteren Hörverlust (liese Trommelfell Vernarbung) führte. Obendrauf kam in 2007 noch einen Hörsturz und das machte meine hochgradige Schwerhörigkeit fast komplett.

Als erwachsene Frau, habe ich immer grosses Mitgefühl für Menschen mit einer Mittelohrentzündung, vor allem Kinder. Wenn ich beim HNO-Arzt im Wartezimmer sitze und die weinenden, hochrote Köpfchen sehe, weiss ich was diese Kinder durchmachen. Sie haben halt grosse Schmerzen und können oft noch nicht sagen wie, wo und was. Dann bin ich froh, das ich inzwischen älter und erfahrener bin und euch allen jetzt sagen kann: es kommt alles wieder gut.

Standard
Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung, Hyperakusis, Laut, Tinnitus

Ruhe


dove-5001438_640Neulich war ich mit meiner Mutter am Video-chatten. Um ein wenig frische Luft zu schnappen, sitzt meine Mutter, wenn es geht, täglich etwa eine halbe Stunde auf ihrem Gartenbank vor ihrer Wohnung, so auch als wir am Video-chatten waren.
Während unseres Gespräches war es offenbar draussen so ruhig, dass ich laut und klar ein Vogel, im Garten meiner Mutter, zwitschern hören konnte. Und das nicht nur kurz, sondern das Zwitschern war die ganze Zeit im Hintergrund, oder lieber gesagt Vordergrund …
Als ich meine Mutter scherzhaft sagte, sie solle doch der Vogel ermahnen etwas leiser zu „reden“ damit er unser Gespräch nicht störe, meinte meine Mutter sie würde den Vogel schön sein Lied überlassen, weil es ansonst schon so ruhig war.
Tatsächlich tauchen hier und da auch welche Bilder auf die zeigen das sich (Wild)Tiere vermehrt in bewohnte Gebiete wagen weil jetzt viel mehr Ruhe herrscht.
Und das sind genau die Momente, in dem ich mich bewusst werde, wie Laut und Geräuschvoll wir Menschen eigentlich sind.

So bald wir aus der Tür auf die Strasse gehen, werden wir von Geräusche umhüllt. An den meisten Geräusche haben wir uns so gewöhnt, dass sie uns gar nicht mehr auffallen, es sei denn sie fehlen. Manche Geräusche sind besonders laut und auffällig und manche davon sind sogar störend. Ausser wenn sie fehlen … so wie in der letzten Zeit, wo der Geräuschpegel ein wenig nachgelassen hat. Eine Gruppe von Menschen kann, zum Beispiel, viel Dezibel produzieren. Bewusst, wenn man was zu feiern hat, oder auch unbewusst, wenn man sich lebhaft untereinander unterhält.

Aber auch innerhalb den vier Wänden lebt man eigentlich fast nie ohne Geräusche. Denken Sie nur an den elektrischen Geräten, die unseren Haushalt vereinfachen. Von Zahnbürste und Kaffeemaschine, bis zum Staubsauger, Waschmaschine, Trockner … Obwohl die Produzierenden in den letzten Jahren versuchen die neue Geräte so geräuschlos wie möglich zu machen, kann man nicht ignorieren, dass die Geräte immer noch (zu) viel Dezibel auf dem Konto haben.
Für Menschen mit Hyperakusis (Hochempfindlichkeit für laute Geräusche) ein absoluter Horror.

Für Menschen mit Tinnitus (Ohrgeräusche) sind diese Nebengeräusche manchmal auch weniger schlimm: die Alltagsgeräusche können der Lärm im Kopf sogar unterdrücken. Bei Ruhe und Stille kommt der Tinnitus erst recht zur Geltung. Nicht umsonst haben viele Menschen mit Tinnitus Schlafstörungen, weil sie wegen die ständige Geräusche im Kopf nicht (Ein)Schlafen können.
Zum Glück gehöre ich nicht zu diesen Menschen mit Schlafprobleme wegen Tinnitus, aber in dieser Zeit, wo es auf der Strasse ruhiger ist, bemerke ich schon das mein Tinnitus sich etwas lauter zu Wort meldet.
Weil ich mit meiner Tinnitus gut umgehen kann, mahne ich ihm scherzhafterweise, wie der Vogel im Garten meiner Mutter, zur Ruhe. Aber genau wie der Vogel lässt mein Tinnitus sich nicht davon beeindrucken und pfeift fröhlich weiter.

Ich hoffe aber sehr, das die Menschen die unter ihren Tinnitus leiden, diese Zeit mehr benutzen können um sich zu entspannen, für sich selbst ein bisschen mehr Ruhe einbauen können, damit ihren Tinnitus sich ein wenig beruhigen kann. (Auditiver)Stress ist nämlich den perfekten Tinnitus Auslöser.

Und zum Schluss noch ein Wort an alle Vögel im Garten meiner Mutter: könnt ihr bitte nicht alle gleichzeitig, oder extra laut zwitschern um ein Weibchen zu beeindrucken, wenn ich mit meiner Mutter telefoniere oder wenn wir Video-chatten? Im Voraus vielen Dank ;-)!

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