Akustiker, Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung, Restaurants, Tinnitus

Neue Hörgeräte


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Liebe Leserinnen und Leser, nach 7 treuen Jahren habe ich meine Hörgeräte pensioniert. Sie bleiben noch da als Ersatzgeräte, aber in die 7 vergangene Jahre habe ich meine vorherige Ersatzgeräte kaum gebraucht.
Jawohl, endlich war es dann so weit. Natürlich hatte ich meinem Besuch an meinem Akustiker gut vorbereitet. Ich hatte mich in die verschiedene Geräte «meiner» Marke vertieft, weil für mich klar war das ich am Liebsten die gleiche Marke behalten möchte. Auch meinen Fragen, Wünschen und Bedürfnisse hatte ich aufgeschrieben und zum Akustiker mitgenommen. Auch meine Akustikerin hatte sich vorbereitet und nach einem ausführlichen Gespräch bekam ich dann direkt neue Hörgeräte zum Testen.
Und was für einen grossen Unterschied … Obwohl von der gleichen Marke als meinen nun pensionierten Hörgeräte, hat sich der Technik in den 7 Jahren so geändert, dass die neue Hörgeräte eine Offenbarung sind. Nicht nur höre ich mehr, vor allem die höhere Töne, sondern verstehen tue ich auch mehr. Und das ist nicht nur mir, sondern sogar meinen Mann aufgefallen…
Alles tönt viel klarer, als ob ein Nebel sich gelöst oder einen Wand frisch und neu gemalt worden ist.

Als meine Schwiegereltern uns dieses Wochenende besucht haben und wir in einem Restaurant essen gegangen sind, habe ich tatsächlich mehr von den Gesprächen verstanden. Klar, nachher war ich immer noch extrem Müde, aber das wird sich auch nie ändern, so wie ich nie gut hörend werde, aber das etwas bessere Verstehen ist schon ein grosser Gewinn.

Die neue Hörgeräte haben integriertes Bluetooth und emotionaler Höhepunkt beim Testen war für mich, als ich das erste Mal mit den neuen Hörgeräten meinen Bruder über meinen I-Phone angerufen habe. Ich brauchte nur Bluetooth einzuschalten und die Stimme meines Bruders kam direkt in meinem Hörgerät, ohne zusätzliche Hilfsmittel. Es war als ob ich wieder «normal» telefonieren konnte!
Diese neue Hörgeräte darf ich ein paar Wochen richtig testen. Danach werde ich noch ein anderes paar Hörgeräte testen und wenn den Unterschied dann gross ist, werde ich noch ein paar Hörgeräte testen die vom Niveau her zwischen beiden Hörgeräte liegen.

Als Zubehör brauche ich für das telefonieren mit dem Festnetz, für die Verbindung mit dem PC nur einen Connect Clip, der Telefon, Computer über Bluetooth mit den Hörgeräten verbindet. Und vielleicht noch ein Verbindungsgerät für den Fernseher, aber möglicherweise funktioniert das auch mit den Connect Clip.
Mein Rogerpen lässt sich mühelos durch der Empfänger MyLink mit den neuen Hörgeräten koppeln und auch das ist für mich sehr wichtig, weil ich meinen Rogerpen oft benutze.
Auch kann ich jetzt mit meinen I-Phone einen App benutzen mit dem ich die Hörgeräte selbst ein wenig steuern kann und wenn ich möchte an verschiedene andere Geräte koppeln kann, zum Beispiel Alarmsysteme, Türklingel und ja, sogar an Radio oder Fernseher, um Musik zu hören.

Nun bin ich besonders gespannt wie die Testphase weiterhin verläuft, es sind bei den hiesigen Hörgeräte schon noch welche kleinere Anpassungen nötig, so sind die Töne bein anziehen der Hörgeräte am Morgen nicht besonders für jemand mit Tinnitus geeignet, aber immerhin bin ich mit der neuen Technik sehr zufrieden. Auch bin ich neugierig zu erfahren was die Unterschiede mit den anderen, noch zu testen Hörgeräte sind und für welche ich mich am Schluss entscheiden werde.
Ich halte Sie hier noch auf den Laufenden.

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Auditive Herausforderung, essen, Hörbeeinträchtigung, Hyperakusis

„Marga hört zu viel!“


Hyperakusis, Überempfindlichkeit gegen Lärm, ist allgemein weniger bekannt als Tinnitus, aber es gibt viele Menschen, die mehr oder weniger stark darunter leiden.

In diesem Rubrik «Marga hört zu viel!»  schreibt Marga van Hintum regelmässig über ihre Erfahrungen mit Hyperacusis.

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Sauber essen, mit Messer und Gabel
Jeder muss sich als Kleinkind damit auseinandersetzen. Nach der Löffel-Schüssel-Periode folgt das Unvermeidliche. Mit Messer und Gabel essen lernen. Lernen ordentlich zu essen, ohne zu schmieren. Damit deine Eltern dich ausserhalb der Tür zeigen können. Damit du dich als Erwachsener genaus so verhalten kannst.

Jung gelernt und alt gemacht!
Natürlich habe ich es auch erlebt. Das Jonglieren mit Plastikbesteck. Mit einem stumpfen Kindermesser. Aber ich bin erwachsen geworden, dank oder trotzdem.

Und als Erwachsener mit Hyperakusis* bin ich froh mit dieser Lebenserfahrung. Ich kann es immer noch, essen mit Plastikgabel und Messer. Zuerst schätzte ich unsere Einwegbesteck aus Kunststoff. Sie sind nicht stark. Der Name sagt alles: Einwegartikel. Wir haben sie sehr lange und sehr sorgfältig benutzt. Bis sie kaputt gingen; Ende Übung. Aber dann entdeckte ich die Composite-Version. Bestimmt für Outdoor-Ferien mit minimaler Verpackung. Sehr stark. Wir verwenden sie seit einigen Jahren und es geht ihnen gut!

Die Einweg-Tellerwerden direkt durch Mepaline-Versionen ersetzt; ebenfalls sehr stark. Ideal !
Dann können wir ein „hausgemachtes Abendessen“ genießen. Denn heutzutage gehen wir nicht mehr in ein Restaurant. Viel zu viel Lärm von Restaurantbesucher die reden. Und von Metallbesteck auf Porzellan oder Keramik. Und vergessen Sie nicht die „Hintergrundmusik“. Manchmal möchte ich mich überraschen lassen. Dann gibt es noch die Heimlieferungs Variante; oft mehr auf Snacknivo als gesund, aber gut. Manchmal, dann ist das erlaubt. Ich höre die Scheibe von fünf nicht protestieren.

Kochen ohne Geräusche?
Heutzutage habe ich Zeit genug, um ausgiebig zu kochen. In aller Ruhe. Das mache ich regelmäßig. In aller Ruhe. Denn etwas Schnelles in der Küche zu tun, ist meist laut. Und sehr schmerzhaft in meinem Kopf. Also langsam mit der Pfanne, vorsichtig auf die Anrichte hinstellen, vorzugsweise auf ein Tuch. Keine Küchenmaschine oder Mixer, sondern ein Mörser. Das dauert länger, geht aber gut! Speziell für die kleinen Mengen an Speisen für 2 Personen!

Ohne Metall ?
Kochen aus metallen Töpfe, nun das ist ja unvermeidlich. Ich habe versucht, die Mikrowelle mehr zu nutzen. Aber als ich das „Ich-bin-fertig!“ – Piepton aus der Mikrowelle unter Ohren bekam, war ich bald damit fertig.

Metalltöpfe auf Metallpfannenträgern. Nicht zu vermeiden. Mit Glasdeckeln mit Silikonkanten, das spart wieder. Mit Holz-Rührlöffeln, das macht den Unterschied. Und Mepalinenlöffel, die man auch nicht hört.

Metall ist leider noch nicht aus der Küche. Also aufgepasst für mich. Der gelegentliche, unvermeidliche, steinharte Schlag, wenn ich versehentlich mit einer Pfanne auf etwas  stoße. Gegen eine steinharte Arbeitsplatte, wo ich noch nicht überall ein Tuch habe. Oder der scharfstechender Fall eines Küchenmessers auf den Steinboden. Aaahhhhhhgrrrrrrr…..

Mit Messer und Gabel
Aber wenn das Essen fertig ist, wenn wir zum Tisch gehen, dann sind Mepaline-Geschirr, Kompositbesteck sehr angenehm. Und gutes Essen. Nicht immer mit Messer und Gabel. Denn manchmal darf man mit den Händen essen, haha …………….

* Hyperakusis, wörtlich „Ich höre zu viel“, ist ein Zustand, in dem man für gewöhnliche Alltagsgeräusche überempfindlich ist. „Die Lautstärkeregelung von Umgebungsgeräuschen ist für eine Person mit Hyperakusis dauerhaft zu hoch eingestellt.“Für mich sind die höheren Frequenzen besonders ärgerlich und verletzen meinen Kopf.
Hyperakusis tritt in vielen Formen auf. Und oft auch in Kombination mit Tinnitus, so wie bei mir.

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Hörbeeinträchtigung

Museum


Bildquelle: Foto Autorin

Wie ich schon mal erwähnt habe, bin ich ab und zu mit einer Gruppe hörbeeinträchtigte Menschen unterwegs. Die Anlässe sind divers und immer mit Führung. Unsere Gruppe wird aufgeteilt in zwei Gruppen, die eine Gruppe mit Hörsystem und die andere Gruppe ohne.
Selbst habe ich immer mein Rogerpen dabei, aber wenn ein Hörsystem, wie in dieser Fall, vorhanden ist, benutze ich das Hörsystem. Der FührerIn bekommt das Mikrofon und wir bekommen die Empfänger, die mit dem Hörgerät (über der T-Spule) oder CI verbunden sind. Das zuhören der MuseumführerIn wird so viel entspannter und auch während der MuseumführerIn spricht, kann man sich ein wenig umsehen, ohne Angst zu haben ein Wort zu verpassen.

So waren wir letzte Woche in das Paul Gugelmann Museum. Ich kannte das Museum und der Name Gugelmann vorher nicht und das Museumbesuch hat mich besonders angenehm überrascht.
In diesem kleinen Museum in Schönenwerd stehen 40 Maschinen, alle mit eigenem Thema und mit viel Liebe und Auge für Detail gemacht. Alle Maschinen sind beweglich und die meisten machen auch Geräusche. Ein Beispiel sehen Sie im Bild oben.
Meine Begeisterung nach diesem Museumbesuch war so gross, das ich mich spontan angemeldet habe als Führerin in diesem Museum, weil ich besonders gern Zeit zwischen diesen wunderbaren Maschinen verbringen und anderen darüber erzählen möchte.

Die Tätigkeit als Museumführerin ist mir nicht ganz neu. Während meines Studiums habe ich schon mal ein Praktikum in einem historischen Museum gemacht, musste mich mit einer Ausstellung bekannt machen, Führungen durch der Ausstellung und durch ein Teil des Museums vorbereiten und ausführen.

Damals habe ich besser gehört als heute und daher habe ich mir natürlich Gedanken gemacht wie ich das heute angehen soll. Offenheit ist meiner Meinung nach hier am Besten.
«Meine» Gruppen direkt über meine Hörbeeinträchtigung informieren und bitten falls sie Fragen haben dies sichtbar zu machen, zum Beispiel durch Handaufheben.
Auch werde ich mein Rogerpen während der Führung einschalten und bereithalten. Falls ich eine Frage nach ein oder zwei Wiederholungen noch nicht verstehe, dann kann ich der oder die Fragesteller immer noch der Rogerpen (das Mikrofon) vorhalten damit ich die Frage über meine Empfänger besser verstehe.
Vorteil des Paul Gugelmann Museums ist, dass der Akustik gut ist, weil es keine hohe Decken hat und die Räume nicht zu gross sind.

Also, im praktischen Sinne sah ich für eine Tätigkeit als Museumführerin, einmal im Monat, keine Beschwerden und ich habe inzwischen den Sprung gewagt mich anzumelden, da ich auch erfahren hatte dass das Museum noch FührerInnen gebrauchen konnte.
Über meine Hörbeeinträchtigung war ich bei der Anmeldung offen und die Rückmeldung war positiv. Jetzt ist es abwarten bis Herr Gugelmann selbst, 89 und noch aktiv, Kontakt aufnimmt und mich in die wunderbare Welt seiner Maschinen einführen kann. Ich freue mich jetzt schon riesig!

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CI, Hörbeeinträchtigung

„Remcos Reise: von Hörgerät zum CI“


Remco ist hörbeeinträchtigt, Hörgeräteträger und ist im Alltag Sozialarbeiter. Neulich führt er Gespräche über einen CI (Cochlea-Implantat). In dieser Rubrik schreibt Remco über seinen Prozess von Hörgeräteträger zum CI-Träger.

Und dann gab es Geräusche ….
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Letzter Freitag war der Tag. Die Verbindung des internen Teils meines CI mit dem externen Teil. Ich sollte erfahren, ob alles funktioniert. Es sind zwei Wochen seit der Operation vergangen und ich habe einen ruhigen Heilungsprozess ohne nennenswerte Nebenwirkungen durchlaufen.

Ich litt nur unter Flüssigkeitsansammlungen, aber das war auch ein natürlicher Prozess. Sie gehört zu dieser Art von Operation. Leider (-; meine charakteristischen Merkmale sind einfach intakt geblieben und ich kann daher jeden beruhigen. Die zwei Wochen vor der Anschluss habe ich natürlich meine Gedanken darüber scheinen lassen. Was wird passieren und wie wird es ablaufen? Wie wird es klingen und wird es überhaupt klingen? Wird es tatsächlich gut platziert sein? Alles logische Fragen.
Die Begleitung durch das Krankenhaus war ebenfalls äußerst professionell und gleichzeitig menschlich. Alle Fragen wurden schnell und oft beruhigend beantwortet.

Aber zurück zum letzten Freitag. Erst am späten Nachmittag musste ich wieder in Utrecht sein. Wir sind rechtzeitig aufgebrochen, um nicht wieder in ein Netz von Staus geraten zu müssen und vielleicht Mal pünktlich zu sein. Stressfrei unterwegs zu sein Angenehm,  so wie schön und ruhig am Zielort ankommen.
Im Krankenhaus angekommen, mussten wir auf den Arzt warten. Dies dauerte etwas länger als der geplante Termin. Und dann wurde ich gerufen und machte mich auf den Weg zu einem neuen Hören. Ein neuer Punkt am Hörizont (;. Der Arzt erklärte, was passieren würde und hielt sogar ein Heft mit dem Skript bereit, weil er nicht wusste, ob ich genug hören konnte.

Und dann war er da. Wunderschön in Blau. Glänzend und glänzend, mein bionisches Ohr. Er wurde mit mir verbunden und dann sprach der Arzt die magischen Worte: „Ich werde es einschalten“. Und so geschah es, er schaltete es ein und bei mir sprang der Ton an. Emotionen griffen mich an, aber ich war besonders erleichtert und glücklich, dass es da war. Der Klang. In mein Ohr. Dass die CI funktioniert hat. Und dass ich nicht mehr „taub“ sei. Es ist ein anderer Klang. Plötzlich hörte ich Dinge, die ich nicht hören konnte. Klickende Absätze auf dem Steinboden des Krankenhauses. Der Klang einer Drehtür. Mein Gehirn auf Entdeckungsreise. Sicherlich Geräusche erkennen und dann daran denken: „Hey, ist dieser Klang auch da auf der Festplatte“. Zu Hause übe ich jetzt mit den verschiedenen Programmen und auch, um die Lautstärke des Sounds zu erhöhen. Die Anpassung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es geht um die Feinabstimmung. Je lauter der Ton, desto lauter muss mein Gehirn arbeiten und verarbeiten. Das kostet Energie und zum Glück kann das CI auch abgenommen werden. Es geht auch darum, sich daran zu gewöhnen, dass es kein Ohrpass-Stück gibt. Aber alles in allem erlebe ich, dass es anders ist. Dass es wirklich ein Wunder ist. Dass ich jetzt ertauben kann, ohne es zu merken, denn mein CI ist mein „neues“ Ohr und Hören. Ich fühle mich auch wie ein Kind mit einem neuen Spielzeug. Ich mache ein Geräusch, um zu sehen, was es macht. Und das immer wieder.

Schließlich bin ich bereits auf dem Weg. Eine Entdeckungsreise, die dem kleinen Punkt am HÖRizont immer näher kommt. Und darauf freue ich mich, denn dort wartet ein neues Abenteuer.

 

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Tinnitus, Hyperakusis, Hörbeeinträchtigung, Auditive Herausforderung

„Marga hört zu viel! „


Hyperakusis, Überempfindlichkeit gegen Lärm, ist allgemein weniger bekannt als Tinnitus, aber es gibt viele Menschen, die mehr oder weniger stark darunter leiden.

In diesem Rubrik «Marga hört zu viel!»  schreibt Marga van Hintum regelmässig über ihre Erfahrungen mit Hyperacusis.

Hörgeräte als Lärmmaske

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Ich bin hörbeeinträchtigt, ja, aber nicht eingechränkt in meinem Gehör, im Gegenteil. Aber ich habe Hörgeräte, in der Mehrzahl. Sehr klein, und wegen ihrer Form nenne ich sie „meine Herzen“. Das lässt mich vermuten, dass ich mit „meinen Herzen“ glücklich bin. Besonders am Anfang war ich sehr zufrieden damit. Ich gewöhnte mir schnell an ihrer Anwesenheit. Aber ich war mit dem begleitenden Rat nicht zufrieden, dass ich auch lernen musste, sie wieder abzugewöhnen. Desensibilisierung; es klingt wunderbar. Leider war die Realität anders.
Meinen Hörgeräten wurden mir geraten, um den Tinnitus zu maskieren. Damit ich meine Aufmerksamkeit davon ablenken konnte. Das lief tagsüber sehr gut, nachts gelang das leider nicht so gut. Versuchen Sie mal, auf der Seite, am Ohr, mit einem Hörgerät zu liegen … Aber nachts boten das Radio und die Apps glücklicherweise eine Lösung.

Schwächeln
Die Hörgeräte habe ich also nicht erhalten, weil ich schwerhörig war. Nur ein leichter Verlust um 4000 hrz wurde gefunden. Dieser Rückgang könnte durch mein Alter, 60 Jahre, und die zahlreichen Mittelohrentzündungen in meiner Jugend verursacht worden sein, die eine große Anzahl von Haarzellen in meinem Innenohr zerstört haben.

Wackelige Balance
Hörgeräte als Tinnitusmaske. Sie geben ein konstantes sogenanntes „weißes Rauschen“ ab. Dieses Geräusch ist auf meinen Hörtest abgestimmt. Aber ich hatte und habe auch eine Hyperakusis*.
Wenn ich die Rauschmasken sehr kräftig einsetze, maskieren sie tatsächlich einen Teil des Tinnitus. Aber dann verursacht der Klang der Geräuschmasken selbst enorme Schmerzen in meinem Kopf. Und wenn ich sie weniger kräftig mache, maskieren sie den Tinnitus nicht genug. Eine wackelige Balance, das war’s. Und das ist es immer noch.

Meine Herzlein
Durch eine von mir durchgeführte Therapie ist mein Tinnitus jetzt deutlich weniger störend. Er ist immer noch da, spielt immer noch ab und zu laut auf. Aber alles in allem geht es dem Tinnitus ziemlich gut. Auch der Entzug der Lärmmasken läuft nun gut. Ich trage die Hörgeräte nur noch sehr wenig.
Aber ganz ohne „meine Herzen“? Nein, das ist immer noch eine Brücke zu weit. Sie sind mir noch zu lieb! Meine Herzen, oder besser gesagt, meine Herzlein …..

* Hyperakusis, wörtlich „Ich höre zu viel“, ist ein Zustand, in dem man für gewöhnliche Alltagsgeräusche überempfindlich ist. „Die Lautstärkeregelung von Umgebungsgeräuschen ist für eine Person mit Hyperakusis dauerhaft zu hoch eingestellt.“Für mich sind die höheren Frequenzen besonders ärgerlich und verletzen meinen Kopf.
Hyperakusis tritt in vielen Formen auf. Und oft auch in Kombination mit Tinnitus, so wie bei mir.

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Auditive Herausforderung, CI, Hörbeeinträchtigung

„Remcos Reise: von Hörgerät zum CI“


Remco ist hörbeeinträchtigt, Hörgeräteträger und ist im Alltag Sozialarbeiter. Neulich führt er Gespräche über einen CI (Cochlea-Implantat). In dieser Rubrik schreibt Remco über seinen Prozess von Hörgeräteträger zum CI-Träger.

Operation erfolgreich, der Patient ist taub …..
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An dem Tag, von dem ich wusste, dass er kommen würde, klopfte Montag, der 17. September, hart an meine Tür. An diesem Tag wurde meine Operation für ein CI an der UMC in Utrecht (Niederlanden) durchgeführt. Der Tag begann früh, weil ich um 09:00 Uhr in Utrecht sein musste, also beschlossen wir, früher zu fahren. Trotz unserer Vorsichtsmaßnahmen ist es uns leider nicht gelungen, auf dem Weg durch Staus zu kommen und pünktlich zu sein.

Glücklicherweise spielte es jetzt keine Rolle mehr. Die Vorbereitungen begannen mit der Beantwortung einer Reihe von Fragen, die ich bereits zuvor digital übermittelt hatte. Als das vorbei war, bekam ich das charmanteste Krankenhausoutfit dieses Jahrzehnts. Wenn Sie dort gewesen wären, würden Sie kaum glauben, wie es für mich war. Wie auch immer, danach war es auf dem Weg in den Aufwachraum, wo ich einige Tests machte und mich noch einigen Fragen stellte. Dann wurde mit der Infusion begonnen, der Infusion, mit der ich für die Dauer der Operation „ausser Betrieb“ sein würde. Ich wurde gefragt, ob dies von einem Co-Assistenten gemacht werden könnte (mir wurde versichert, dass er das tun könnte, auch wenn er es noch nicht oft getan hatte), und für mich war das kein Problem. Das Problem war jedoch, eine geeignete Vene zu finden, um die Infusion einzuführen. Egal, wie sie zogen und klopften, meine Venen waren unter dem Radar verschwunden. Zunächst wurde eine Vene gefunden, aber es war nicht möglich, die Infusion in sie einzuführen. Nach einer Weile gelang ein zweiter Versuch.

Die Ärzte kamen, um einige letzte Details auszutauschen, und kurz darauf ging ich hin. Es schien alles surrealistisch, eine futuristische Umgebung mit allen Operationssälen in einer Art Gewölbe. Ich sprang auf den Operationstisch und zog eine Maske an. Ich schaute nach oben und plötzlich wurde es vor meinen Augen verschwommen und grün und ich wurde in einen tiefen Schlaf versetzt. Etwa drei Stunden später wachte ich Ausschlafzimmer auf und bekam ein Glacee für meine Halsschmerzen. Es fühlte sich an, als hätte eine Dampfwalze stundenlang gequetscht. Allmählich wurde ich immer wacher und bald kam ich wieder ins Gespräch. Ich war auch ungeduldig und wollte meine Liebste sehen. Sie hatte die ganze Zeit gewartet. Und warten ist nicht wirklich ihr Ding. Schliesslich wurde der erlösende Anruf bei der Abteilung gemacht und ich konnte abgeholt werden.

Und da ging ich hin, auf dem Weg zur Abteilung. Meine Liebste wurde abgeholt und als sie eintrat, war sie wie immer strahlend. Ich bekam ein Sandwich mit Kaffee und dann habe ich nochmals darum gebeten. Der Arzt kam vorbei, um zu sagen, dass die Operation erfolgreich war und dass ich von ihm aus nach Hause gehen konnte. Die letzten Details mussten ausgefüllt werden und danach bekam ich von der Abteilung grünes Licht, nach Hause zu gehen. Zu Hause arbeitete ich ruhig an meiner Genesung und liess die Wunde heilen. Zum Glück hatte ich keine nennenswerten Nebenwirkungen und ruhte mich vor allem aus.
Jetzt wurden die Fäden am vergangenen Donnerstag herausgenommen und letzten Samstag, nach mehr als zwei Wochen, konnte ich endlich wieder meine Haare waschen. Ein sauberes Gefühl.

Am 12. Oktober wird das CI angeschlossen und die Rehabilitation beginnt mit Anpassungen und Logopädie. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es: die Operation ist erfolgreich, aber der Patient ist taub …..

 

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Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

„Arbeit: gesucht und gefunden …“


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In dieser neuer Rubrik werde ich regelmässig selbst über das Thema „Arbeit“ schreiben, oder Gastblogger einladen. Ziel dieser Rubrik ist, „Arbeit und Hörbeeinträchtigung“ offen und vielseitig anzugehen, die Engpässe und positive Seiten zu zeigen.

In meinem Blog schreibe ich regelmässig über Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung und ihren Herausforderungen bei der Arbeitsuche oder am Arbeitsplatz.

Es gibt Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung die sich keine oder wenige Herausforderungen gestellt sehen bei der Arbeitssuche oder am Arbeitsplatz.
Es gibt Menschen mit einer auditiven Herausforderung die sich beim Thema «Arbeit» einigermassen und Menschen die sich besonders herausgefordert fühlen.

Natürlich stellt sich dann zuerst die Frage: was macht die Unterschied? Wieso schaffen es manchen locker einen Job zu finden und/oder zu behalten? Wieso schaffen es manchen mit Mühe und manchen kaum bis gar nicht? Diese Frage ist natürlich nicht eindeutig zu beantworten, weil meistens nicht nur die auditive Herausforderung eine Rolle spielt.

Über die viele Gründe warum es für Menschen mit einer auditiven Herausforderung oft schwerer ist einen Job zu finden ist schon viel geschrieben und auch ich habe schon darüber geschrieben https://reneeiseli.wordpress.com/2015/07/02/gute-arbeit/. Es sind alle zutreffende Gründe, nicht zu leugnen und zu unterschätzen.
Heute möchte ich aber einen Grund beleuchten, der man fast nie zu lesen bekommt, aber trotzdem noch entscheidender ist.
Und dieser Grund heisst: Wie steht man zu seiner Hörbeeinträchtigung, wie wie selbstständig und selbstbewusst ist der hörbeeinträchtigten Arbeitsuchender oder Arbeitnehmer?

In den 15 Jahren das ich beruflich und andernfalls in der Welt der hörbeeinträchtigten Menschen aktiv bin, ist mir von Anfang an eins besonders klar geworden: je selbstbewusster der hörbeeinträchtigter Mensch ist, desto weiter er oder sie im Privat- und Arbeitsleben kommt.
Steht man selbstbewusst zu seiner Hörbeeinträchtigung, ist das zwar kein Garantie das man nicht auf Herausforderungen stosst, aber das Selbstbewusstsein ist eine gute Voraussetzung ein Ziel, zum Beispiel das erwerben eines Jobs, zu erreichen.
Wenn man sich «selbst bewusst» ist, kennt man besser seinen eigenen Stärke und Schwäche, kann man sich auch besser auf einen passenden Job oder Ausbildung orientieren und, genau so wichtig, kann man sich im Bewerbungsprozess auch besser präsentieren.

Arbeitgeber sehen gerne Arbeitnehmer oder Jobkandidaten die wissen was sie brauchen, wissen was sie wollen und warum sie genau in diesen Job oder bei dieser Firma arbeiten möchten. Für Arbeitgeber ist es Hauptsache dass sie den richtigen Person für den richtigen Job, passend zu ihrer Firma einstellen. Und wenn der Kandidat, hörbeeinträchtigt oder nicht, die Botschaft nicht übermitteln kann, dass er oder sie diesen Person ist, steht er kaum eine Chance.
Und genau dort drückt meistens der Schuh! Eine auditive Herausforderung bringt oft Verunsicherung mit sich, was das Selbstbewusstsein beeinträchtigen kann. Verunsicherung über die eigene Talenten, ob man einen Job ausüben kann, oder sich im Bewerbungsprozess sich nicht trauen die eigene Stärke hervorzuheben.

Wenn man darüber nachdenkt, wie man potenzielle Arbeitgeber und hörbeeinträchtigte Arbeitsuchenden näher zueinander bringen könnte, sollte vor allem das Selbstbewusstsein im Vordergrund stehen.
Arbeitgeber sollten vermehrt nach hacken was einen Bewerber kann, statt sich zu fokussieren auf das was ein Bewerber nicht kann.
Hörbeeinträchtigte Bewerber sollten sich ebenfalls bewusster werden welche Fähigkeiten sie haben, statt was sie nicht können. Und falls ihnen es schwierig ist, das selbst herauszufinden, sollten sie sich dabei Unterstützen lassen.

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