CI, Hörbeeinträchtigung, schwerhörig

Zu Hause


Liebe Leserinnen und Leser, hoffentlich sind Sie Gesund und Wohlauf! Wie jeder Andere empfinde auch ich die Folgen des Corona Virus, versuche aber mich so gut wie möglich anzupassen.

Als die Lage noch nicht so angespannt war, war ich bei meiner Mutter in den Niederlanden zu Besuch. In der anderthalben Woche meines Besuches, wurde die Lage aber von Tag zum Tag ernster und ich fing an mich über meinen Rückflug sorgen zu machen. Umso mehr, weil meinen Rückflug vom Airline umgebucht wurde. Als ich die Airline, bei dem ich meinen Flug gebucht hatte, versuchte telefonisch zu kontaktieren, kam ich nicht durch. Da meine Mutter keinen Telefon mit Bluetooth hat, war ich gezwungen über Lautsprecher zu telefonieren, was in der Praxis Stundenlange «Wartezeit Musik» bedeutete. Dieser Melodie spielt momentan noch immer in meinem Kopf …
Als am Vortag meines Rückfluges, sogar nach online Eincheck, meinen Rückflug wieder annulliert wurde, jedoch diesmal ohne Alternative, wurde es mir doch etwas mulmig. Online konnte ich den Airline nicht erreichen, weil stets betont wurde sie doch anzurufen. Dann habe ich es probiert über Facebook, und sie ein sogenanntes Message geschickt. Und der Airline hat tatsächlich innerhalb ein paar Stunden geantwortet, aber zum Glück hatte ich vorher noch ein Niederländisches Telefonnummer des Airlines gefunden, was ich probiert habe. Nach eine halbe Stunde Wartezeit, samt Musik, hat es dann doch endlich geklappt und konnte ich mein Flug noch umbuchen. Wie sich später herausstellte, war das noch gerade rechtzeitig. Der Airlinemitarbeiter mit dem ich telefoniert habe, habe ich sofort gesagt das ich hörbeeinträchtigt bin und gebeten ob er ruhig und deutlich reden könne. Danach war es ein paar Sekunden still, aber er hat sein bestes getan, obwohl ich immer noch ein paar Mal um Wiederholung bitten musste.

Hier sehen Sie noch zwei Bilder eines fast leeren Flughafen. Ich war die einzige Passagierin bei der Security. Ein wenig gespenstisch wirkte das ganze schon …

WhatsApp Image 2020-03-18 at 18.18.53

WhatsApp Image 2020-03-18 at 18.18.54

Aber ich bin wieder gut Heim gekommen und bleibe jetzt vorläufig zu Hause und drinnen!

Wie Ihnen wahrscheinlich aufgefallen ist, habe ich auf verschiedenen Weisen versucht den Airline zu erreichen. Für Menschen die Gehörlos oder so schwer hörbeeinträchtigt sind, das sie nicht telefonieren können, ist eine Nachricht das man zum Beispiel bei Umbuchung unbedingt dieses oder jenes Telefonnummer anrufen soll, natürlich frustrierend. In solche Situationen sieht man umso mehr das hörbeeinträchtigte Menschen oft vergessen werden. Daher möchte ich Ihnen noch mal kurz welche Tipps geben.

In diesen Zeiten der (Selbst)Isolation, möchte ich Ihnen die nächste Zeit auch gerne Coronafreie Themen anbieten … Für jetzt aber, bleiben Sie Selbstständig, Kreativ, Gesund und zu Hause!

Standard
Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Von Blog zu Blog: Rikie und Renee


Rikie lebt in den Niederlanden, Renee lebt seit 2009 in der Schweiz. Wir haben beide eine Hörbeeinträchtigung. Wir beide bloggen darüber.
Ab und zu, wenn wir live miteinander sprechen, stellen wir uns gegenseitig Fragen wie „Wie machst du das?“ oder „Wie ging das bei dir“? So sind wir auf die Idee gekommen, ein Thema beim Kopf zu packen und unsere Erfahrungen darauf loszulassen. Denn wir sind wahrscheinlich nicht die einzigen Gehörlosen oder Hörbeeinträchtigten mit Stolpersteinen.

Über (Zahn-)Ärzte und Krankenhäuser

Renee: Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich nach unserem Umzug in die Schweiz hier einen neuen Zahnarzt und Hausarzt suchen musste. Das war meine Aufgabe, weil mein Mann arbeitete und keine Zeit dafür hatte.
Unser Wohnort hatte damals viel weniger Einwohnern als heute, aber es gab schon viele Zahnärzte und Allgemeinmediziner, nur nicht alle in unserer Nachbarschaft. Meine ersten Versuche, mich bei einem Hausarzt anzumelden, waren enttäuschend.

Als ich eintrat, sassen die Assistenten hinter einem hohen, breiten Pult. Die Kommunikation war schwierig, nicht nur, weil ich Hochdeutsch sprach, sondern auch, weil ich die Assistenten hinter diesem Pult kaum verstand und sie uninteressiert schienen. Schliesslich wurde mir gesagt, dass sie keine neuen Patienten aufnehmen. Ende der Geschichte.
Mein nächster Versuch war ähnlich. Besorgt begann ich meinen dritten Versuch. Zum Glück fand ich diesmal einen niedrigeren Pult, leichter zugängliche Assistenten und, wie sich später herausstellte, eine grossartige Hausärztin.
Beim Zahnarzt sah ich bereits den nächsten hohen und unzugänglichen Pult auftauchen … Zum Glück waren die Assistentinnen, der Zahnarzt und die Dentalhygienikerin sehr zugänglich, und noch besser, wir wurden als Patiënten aufgenommen, und die Dentalhygienikerin nimmt sogar ihre Mundkappe ab, wenn sie mit mir spricht. Erkennst du das, Rikie?

Rikie: Meine Taubheit hat sich eingeschlichen. Die Menschen kennen mich als Hörende, ebenso wie der Arzt und der Zahnarzt. Sie haben mir nicht geglaubt, als ich sagte, dass ich nicht anrufen kann, um einen Termin zu vereinbaren. Es gab mir das Gefühl, dass sie mich nicht ernst nahmen, als hätten sie noch nie mit Hörbeeinträchtigten zu tun gehabt. Ich musste mir wirklich alle Alternativen selbst ausdenken und Vereinbarungen darüber treffen, wie es gehen könnte. In diesem Moment war der Zahnarzt am flexibelsten, die Assistentin sagte sofort Ja, als ich um E-Mail-Kontakt bat. Die allgemeine Praxis war ein völlig anderer Fall. Leider ist es dort immer noch nicht richtig geregelt. Ich kann E-Mails schreiben, aber wenn ich nicht hinzufüge, dass ich Taub bin, kann ich es vergessen. Wenn ich schnell einen Termin brauche, dann gehe ich besser dorthin. Ich halte mein Herz fest für den Moment, in dem es einen Notfall gibt. Zum Glück sind die Pulte tief genug, die Verarbeitung der Daten im PC durch das medizinische Personal muss manchmal angepasst werden, so dass ich die Gesichter sehen kann, um sie zu verstehen. Zum Glück wissen die Dentalhygienikerin und der Zahnarzt, dass sie die Mundkappe abnehmen müssen, wenn sie mit mir sprechen, das ist wirklich toll.

muisje hoorn luid met naam

Renee: Im Nachhinein betrachtet, lag die schwierige Kommunikation auch ein bisschen an mir. Damals (vor 10 Jahren) war ich nicht sehr offen über meine Hörbeeinträchtigung, was ich natürlich hätte sein sollen und habe ihnen nicht gesagt, oder erst später, dass ich hörbeeinträchtigt bin …
Heutzutage mache ich das wirklich ganz anders! Da es überall bei (Zahn-)Ärzten und in Krankenhäusern (meist hohe) Pulte gibt und die Assistenten dahinter oft weit entfernt sind, gebe ich fast überall sofort an, dass ich hörbeeinträchtigt bin und frage, ob sie deutlich und ruhig sprechen können. Ich setze mich auch in den Warteräumen an einen sichtbaren Ort, von dem aus ich meine Umgebung überblicken kann. Es kommt zu oft vor, dass die Name nur ggerufen wird, und dann ist es natürlich nur die Frage, ob ich das verstehe. Je nach Situation frage ich am Pult, ob sie nicht nur meinen Namen rufen, sondern auch auf mich zu kommen wollen. Manchmal wird es vergessen, aber in den meisten Fällen funktioniert das gut, und hat man Verständnis. Hast du das auch so erlebt?

Rikie: Ja, ich musste wirklich lernen, für mich selbst einzustehen. Am Anfang ging ich davon aus, dass die Vereinbarungen über die Kommunikation eingehalten werden würden. Jetzt weiß ich es leider besser. Es spielt keine Rolle, ob Sie Termine vereinbaren, nach 5 Minuten haben die Leute es vergessen und Sie müssen wiederholen, was Sie verlangt haben. Und man muss wirklich alles verfolgen, denn eine Mail, ein SMS oder ein Whatsapp Nachricht ist weniger eilig als ein Telefonanruf. Es ist normalerweise nicht persönlich, kein Unwille, die Menschen haben einfach nicht die geringste Ahnung, was es bedeutet, eine Hörbeeinträchtigung zu haben. Und es ist sehr schwierig, sein Verhalten im Alltag zu ändern. Auch sind die Verwaltungssysteme nicht so eingerichtet, dass sie melden, dass jemand nicht telefonisch erreichbar ist. Das Feld für Telefonnummern ist oft obligatorisch und kann sich nicht auf eine andere Form der Kommunikation beziehen. In der Zwischenzeit habe ich jeden in meiner Gegend trainiert, wie man mich erreichen kann ;).
Ein Tipp hier: Schliessen Sie Ihre Voicemail und lassen Sie nur eine Nachricht abspielen, dass Sie per E-Mail oder Whatsapp/Sms erreichbar sind. Das hilft.

vallen en opstaan met naam

Renee: Ja, das kommt mir schon bekannt vor! Bei Arztbesuchen benutze ich manchmal mein Zubehör (RogerPen), was unterschiedliche Reaktionen der Ärzte auslöst. Normalerweise frage ich sie höflich, ob sie nichts dagegen haben, und erkläre ihnen, wozu es dient. Im Allgemeinen finden sie das überhaupt kein Problem. Nur einmal fragte ein Arzt, ob der RogerPen nichts aufnehmen würde, weil es ihm das nicht gefiel. Nachdem ich den RogerPen noch einmal klar und deutlich erklärt hatte, war es in Ordnung.
Eine andere Ärztin, zu der ich ein- oder zweimal im Jahr komme, fragte mich gerade nach dem RogerPen, den ich damals aus Versehen vergessen hatte, mitzubringen … Sie fand, dass es ein fantastisches Zubehör war, was es auch ist.
Aber auch mit Zubehör bleibt der Besuch bei (Zahn-)Ärzten und Krankenhäusern für mich recht anstrengend, da ich ständig auf der Hut und „scharf“ sein muss.

Rikie: Bei meinem CI (Cochlea-Implantat) verwende ich derzeit kein Zubehör. Persönliche Gespräche, kurze Termine in ruhiger Umgebung, gelingen glücklicherweise wieder. Im Moment ist ein Schreibdolmetscher (sie tippen, was gesagt wird, und ich lese mit ihnen auf einem Tablett, sagen wir, Live-Untertitel) die beste Hilfe, die ich mir wünschen kann. Vor allem, weil ich in einer lauten Umgebung nichts verstehe, ich höre nichts hinter mir und ich höre nicht, woher der Schall kommt. Und ja, auch mit Schreibdolmetscher muss ich oft erklären, dass er eine Geheimhaltungspflicht hat und dass alles, was gesagt wird, unter uns bleibt. Zum Glück habe ich noch nie erlebt, dass sie abgelehnt wurden.
Selbst das Hören mit einem CI, auch mit Hilfe eines Schreibdolmetschers, bleibt eine ermüdende Beschäftigung. Das Tempo ist weg. Die normale Sprechgeschwindigkeit ist schon rasch zu schnell. Hören, Verstehen, Verarbeiten und Reagieren erfordert viel mehr Zeit und Mühe als bei der „normal“ hörenden Person.
Eigentlich tun wir das gleiche :-), jeder auf eigene Art und Weise, um es uns leichter zu machen. Gleich zu Beginn eines Gesprächs sagen wir, was wir brauchen, um den anderen zu verstehen: 1) mich ansehen, 2) ruhig und deutlich sprechen 3) eine ruhige Umgebung.

Rikie Boevink – https://deciderata.blogspot.com (auf Niederländisch)

Renee Iseli – Smits – https://reneeiseli.wordpress.com

 

Standard
Hörbeeinträchtigung, Weihnachten

Frohe Weihnachten


merry-christmas-4637374_1920
Quelle: Frauke Riether (Pixabay)

Hiermit möchte ich alle meiner Leserinnen und Lesern ein ganz herzliches Dankeschön sagen für das Lesen dieses Blogs und für alle Rückmeldungen im vergangenen Jahr!
Auch einen sehr grossen Dankeschön an das Blogger Team und alle Gastblogger/Gastbloggerinnen für das Teilen ihrer Erfahrungen!

Wenn auch etwas weniger regelmässig, habe ich mich in diesem Jahr mit viel Freude und Begeisterung diesem Blog gewidmet und werde das auch wieder im nächsten Jahr tun.
Dabei sind Ihre Fragen und Diskussionen wie immer sehr willkommen.

Ich wünsche Allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020.

Herzliche Grüsse, Ihre Renee Iseli – Smits

Standard
Akustiker, Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

„Vom Akustiker gehört“


In dieser Rubrik hält das Akustiker Team Sie auf dem Laufenden in Sache Technik, Beratung, Umgang mit Hörgeräte und persönliche Erfahrungen im Beruf eines Akustikers.

Das Akustiker Team besteht aus 2 Akustikerinnen und Oscar, ihr Mental Coach auf 4 Pfoten.

FesttageIMG_9958.jpg

Familienfeier zu Weihnachten, Weihnachtsessen mit der Firma, ein gemütlicher Raclette Abend mit dem Verein, ein besinnlicher Abend in Stille ganz allein oder ein gemeinsames Adventssingen im Quartier.

Es gibt unzählige Möglichkeiten und Vorlieben, die Weihnachtszeit zu verbringen. Und damit ganz eng verflochten sind die unterschiedlichsten Gesprächs- und Hörsituationen. Diese können unsere Kundinnen und Kunden vor kleinere, grössere und grösste Herausforderungen stellen.

In diesen Tagen empfiehlt es sich, einen Check bei seinen Hörsystemen durchzuführen oder durchführen zu lassen. Dabei können folgende Fragen als Leitfaden dienen: Funktioniert das Hörsystem? Habe ich genug Batterien bzw. ist der Akku geladen? Sind die Filter von Lautsprecher und Mikrofon in Ordnung? Ist der Gehörgang frei von Ohrenschmalz (Pfropf)? Funktioniert das Zubehör wie gewohnt? Sind Schallschlauch und Ohrstück funktionstüchtig?

Wenn dann Gespräche mit z.B. normal lauter Stimme, deutlich, im direkten Umfeld, ins Gesicht schauend und bei reduziertem Umgebungslärm geführt werden, steigt die Chance, das Verstehen erfolgen kann. Auch Pausen im Gespräch, die Nennung des Themas sowie kurzer Stichworte können für den Hörsystemträger von wertvollem Nutzen sein.

Und für diejenigen, die sich sagen „Hätte ich mal das Gerät dieses Jahr mehr getragen“ ist es hoffentlich aufmunternd zu hören, dass bald ein neues ganzes Jahr vor uns Allen liegt.

Das Akustiker Team wünscht Ihnen schöne und entspannte Festtage!

 

 

Standard
Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung, Hyperakusis

Hyperakusis mit einer experimentellen Dämpfung – Teil 2


Heute ein zweiter Gastbeitrag von Mirjam van Soest. Mirjam hat seit ihrer Gehirnoperation vor langer Zeit schwere Hyperakusis, hat sich aber nicht damit abgefunden. Sie hat weiter nach einer Lösung gesucht und ist an einer experimentellen Forschung beteiligt. Lesen Sie den Rest ihrer Geschichte.

head-1058432_640

Es ist eine spannende Zeit, in der mein HNO-Arzt mehrere experimentelle Untersuchungen durchführt. Und all dies, um den Nutzen von Dr. Silversteins Operation in Amerika als Behandlung für meine Hyperakusis zu beweisen und diese Behandlung in die Niederlande zu bringen.
Die Tests mit temporären Silikonmembranen zur Schalldämpfung meines Trommelfells sind erfolgreich. Auffälliges Detail: Mein Gehör war mit der Dämpfung sogar noch besser, möglicherweise aufgrund verbesserter Konzentration und weniger Überreizung im Gehirn in Bezug auf den Schall.

Obwohl die Studien den Nutzen einer Operation für mich belegen, wird es langsam immer klarer, dass das Krankenhaus keine Genehmigung zur Durchführung erteilt. Dennoch ist mein HNO-Arzt sehr begeistert und sagt sogar: „Sie sind die perfekte Kandidatin für diese einfache Operation mit sehr geringem Risiko“.

Mein HNO-Arzt denkt mit und wir beschließen, einen anderen Arzt in einem Universitätsspital anzusprechen, wo die finanzielle Seite ohnehin kein Problem sein sollte.
Es dauert Wochen, bis ich eine Antwort erhalte. Aber leider ist dieser Arzt für dieses Experiment nicht offen. Und laut meinem HNO-Arzt ist damit die Chance auf Erfolg in den Niederlanden fast unmöglich.
Es ist eine grosse Enttäuschung, e ich bewältigen muss!! Aber…. mein HNO-Arzt rät mir auch dringend, es in Belgien zu versuchen. Nicht zuletzt, weil sie dort offener für neue Behandlungen sind.
Aber auch, weil Behandlungen in Belgien oft von der Versicherung erstattet werden. Er empfahl ein bestimmtes Krankenhaus. Und wenn ich seine Hilfe in der Zukunft brauche, ist er offen dafür.

Ich hatte vorher berücksichtigt, dass, wenn es in den Niederlanden nicht klappen würde, ich es in Belgien versuchen werde. Und möglicherweise sind auch England und Amerika, wo diese Operation sowieso gemacht wird, eine Option. Aber die Kosten einer Operation, mit jeder verloren gegangenen Option, steigen. Deshalb dieser Reihenfolge.
Es ist schade, dass die Niederlande in diesem Bereich so starr sind, vor allem für viele Patienten. Aber ich habe noch Hoffnung, denn es gibt andere Möglichkeiten.
Ich denke nur: Es gibt viele Wege, die zu dieser Operation führen. Und ich hoffe auch, dass meine experimentelle Behandlung die Operation etwas näher gebracht hat.

Wird noch weiter fortgesetzt.

 

Standard
Hörbeeinträchtigung

Rückblick


9qvObrlLSv6ZCnmwm2bF_zurich-4500200_1280
Bild: Zürich

Am 1. Oktober dieses Jahres lebe ich genau zehn Jahre lang in der Schweiz. Dies war für uns eine bewusste Entscheidung. Als Kind mit jährlichen Sommerferien in Österreich hat meine Liebe zu den Bergen begonnen. Später, als ich meinen Mann traf verbrachten wir unsere Ferien in der Schweiz und besuchten die Familie meines Mannes. Wir fühlten uns in der Schweiz sehr wohl und so entstand die Idee: „Wie wäre es, wenn wir hier leben würden?
Als wir die Chance hatten, in die Schweiz zu ziehen, haben wir sie genutzt und voilà …  da ist man dann, zehn Jahre später. Für mich war dieser Schritt eine große Herausforderung. Ich musste nicht nur meinen Job in den Niederlanden aufgeben, sondern mit meiner Hörbeeinträchtigung fand ich es auch sehr spannend, ob ich mich an die Sprache gewöhnen konnte.
Glücklicherweise habe ich keine Probleme mit der deutschen Sprache, denn ich habe diese Sprache gelernt, als mein Gehör relativ gut war. Außerdem hatte ich auch ein Jahr lang in Deutschland studiert. Schweizer deutsch unterscheidet sich jedoch deutlich vom Deutschen. Jetzt wäre ich nicht mehr in der Lage, eine neue Sprache zu lernen. Zu Hause, mit meinem Mann, reden wir auf seinem Wunsch Niederländisch miteinander, sonst ist die Sprache (Schweizer-)Deutsch.
Als ich Anfang des Jahres für eine Operation für ein paar Tage ins Krankenhaus musste, warnte ich die Ärzte und das Personal bei der Voruntersuchung, dass ich nach der Narkose vielleicht auf Niederländisch reden könnte. Sie alle verstanden, aber anscheinend ist die deutsche Sprache in mir so tief verwurzelt, dass dies nicht geschehen ist.

Bald nach unserem Umzug begann ich, aktiv in meiner neuen Umgebung zu leben. Ich ging zum Yoga, wurde Mitglied im örtlichen Freizeitverein, machte ehrenamtliche Arbeit und meldete mich bei den Verbänden für gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen an.
Nach und nach lernte ich Menschen kennen, baute ein Netzwerk auf, engagierte mich für alle Arten von Aktivitäten und wurde sogar Mitglied einer Frauendiskussionsgruppe, deren Mitglieder alle eine Hörbeeinträchtigung haben. Es ist etwas Besonderes, denn normalerweise nimmt diese Gruppe nicht sehr schnell neue Mitglieder auf (niemand hat sich nach mir gemeldet).
Ich bin jetzt Vorsitzender eines Vereins für Menschen mit Hörbeeinträchtigung, ich arbeite ehrenamtlich im örtlichen Seniorenheim, schreibe Kolumnen und einen Blog, halte Vorträge, werde demnächst Führungen in einem Museum durchführen und werde auch Sensibilisierung Workshops für Unternehmen und in Schulen durchführen. Kurz gesagt, ich bin wieder sehr beschäftigt und habe definitiv meinen Job und meinen Weg hierher gefunden.

Es war ein langer und intensiver Prozess, der sicherlich einige Jahre dauerte. Die Schweizer sind sehr freundlich und höflich, aber nicht sehr zugänglich – meine Schwiegereltern und Verwandtschaft sind eher ein angenehme Ausnahme. So ist beispielsweise das Trinken einer Tasse Kaffee mit den Nachbarn nicht üblich. Wenn Sie von Schweizern zu sich nach Hause eingeladen werden, ist das etwas Besonderes. Und um das zu durchbrechen, muss man etwas dafür tun.

Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, hat sich in jeder Hinsicht viel verändert. Es ist nicht nur, dass unsere Wohnumgebung jetzt zugebaut worden ist und es jetzt Geschäfte nebenan gibt, ich fühle mich hier tatsächlich integriert, und obwohl ich nie eine „eidgenössische“ Schweizerin sein werde, akzeptieren und respektieren die Menschen hier, wer ich bin und was ich tue.

 

Standard
Auditive Herausforderung, Ferien, Hörbeeinträchtigung, Laut, Tinnitus

Herbst


mountain-1243486_1280Der Herbst hat wieder angefangen. Das bedeutet oft Regen, Wind, Nebel, fallende Blätter, kürzere und graue Tage.

Trotzdem liebe ich das Frühjahr und den Herbst. In beiden Jahreszeiten kann es auch schönes Wetter geben, ohne extreme Hitze oder Kälte. Und beide Jahreszeiten habe als Bonus, das in der Natur grüne oder bunte Farben um die Wette strahlen. Hier in der Schweiz sind die Berge mit ihren grünen, roten, gelben und rostfarbenen Wände besonders eindrucksvoll und märchenhaft.
Ja, für mich kündigt der Herbst nicht nur den Winter an und hat der Herbst nicht nur Nachteile, sondern bietet er auch eine Art visuelle Kompensierung. Obwohl ich über mein Rest Gehör noch sehr auditiv orientiert bin, bestimmen Farben ebenfalls ein grosses Teil meines Lebens.
Im Herbst zeigt Mütterchen Natur sich von einer bunten Seite und meine Augen freuen sich über das farbige Spektakel, während die Ohren sich dabei eine «Auszeit» nehmen.

Herbst bedeutet für mich auch Ferienzeit, weil mein Mann normalerweise im Herbst seinen Ferien hat, und wir dieses Naturspektakel wohl meistens aus der Nähe betrachten können. In den Ferien zieht es uns in den Bergen und wir machen dann gerne längere Spaziergänge. Da wir unseren Ferien ausserhalb des Hochsaisons wählen, ist es an unseren Ferienorten auch weniger voll mit Touristen und/oder anderen Feriengängern. In der Natur ist es dann auch ruhiger und wir können sie voll und ganz geniessen.

Für uns haben die Natur, die Stille und die Aussichten eine sehr erholsame Wirkung, auch wenn der Wind und meine Tinnitus meinen, sie müssen die Stille und Ruhe kräftig kompensieren. Wie üblich kann ich beide Stör lärmen ignorieren und trotzdem die Umgebung geniessen.

Dank meiner Hörgeräte, höre ich noch ein wenig das Knistern der Blätter und das Knistern der Schnee. Die stille Natur hat so ihre eigene sehr leise Geräusche und es ist wunderbar mal so ein Tag ohne den Alltagslärm zu verbringen.
Und nur wenig toppt eine heisse Schokolade, wenn man nach einer Wanderung die Berghütte erreicht hat, in dem Wissen das man nach der Anstrengung das Ziel geschafft und die Belohnung verdient hat.
Oder wenn man vom Winde verweht und etwas rosig wieder im Hotel ankommt um sich noch vor dem Abendessen kurz auszuruhen, oder sich alternativ noch ein Apéro zu gönnen.

Natürlich hat der Herbst bekanntlich auch seinen Launen und es bleibt immer zu hoffen, dass das Wetter uns während den Ferien gut gesinnt ist. In diesem Jahr, hatten wir mit dem Wetter wieder Glück. Wir durften alle Wetterarten erleben, konnten trotzdem wandern und hatten atemberaubende Aussichten.
Höhepunkt unserer Ferien war wohl ein Frühstück auf 2500 m Höhe. Als wir am Morgen aufwachten und aus unserem Hotelfenster schauten, konnten wir feststellen das es in der Nacht sogar auf 1600 m Höhe, wo unser Hotel war, geschneit hatte. Schon früh fuhren wir mit dem Bergbahn den Berg hoch, um als einer der Ersten die weisse Pracht mit ihren Stille und Ruhe, und die Aussicht zu bewundern und danach das Frühstück mit Aussicht zu geniessen.

Faszinierend war jedoch der Nebel. Auf dem Berggipfel standen wir ein paar Meter von einem hohen Turm entfernt. Im einen Moment was dieser Turm gut sichtbar, im nächsten Moment gar nicht mehr. Und das wechselte sich den ganzen Tag ab. Schnee und Nebel dämpften auch die Geräusche der zunehmenden Besuchern …
Als wir dann am Nachmittag wieder beim Hotel ankamen, war dort die Schnee schon wieder verschwunden und wurde es auch wieder lauter.

Jetzt sind die Ferien wieder vorbei und bleibt nur zu hoffen, das der Herbst uns noch ein paar «goldene Tage» bringt, ehe der Winter anfängt.

Standard