Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung, Respekt

Gäste


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Bildquelle: Rheinfall Schaffhausen, Foto Autorin

Letzte Woche hatten wir zwei Teenager, 17 und 15, zu Besuch. Obwohl wir die Beiden, Schwester und Bruder, von Geburt an kennen und wir uns mindestens ein mal im Jahr sehen, ist es doch anders, sie eine Woche ohne deren Eltern begleiten zu dürfen, um so mehr, weil wir keine Kinder gewöhnt sind, geschweige Teenager … Und genau das war auch der Absicht, uns ein bisschen näher kennen zu lernen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen.
Vorher hatte ich mich schon ein wenig Gedanken gemacht wegen der Kommunikation, vor allem weil ich 2 Tage allein mit den Beiden unterwegs sein würde. Zwar wissen die Beiden das ich Hörbeeinträchtigt bin, ob die Kommunikation über längere Zeit klappen würde, war für mich eine schöne Herausforderung.

Ich kann Ihnen jetzt aber mitteilen, das wir die Woche nicht nur prima überstanden haben, sondern vor allem eine wunderschöne Zeit hatten! Viel Spass, kombiniert mit viel laufen und mit ÖV-Fahrt durch die Schweiz. Die Beiden waren besonders angenehme und Pflegeleichte Gäste, was so, wie ich gehört habe, bei Teenagern nicht so selbstverständlich ist.
Und die Kommunikation verlief ebenfalls Problemlos! Ich habe sie am Anfang nur erzählt, das es für mich in der Kommunikation wichtig sei, dass sie nicht zu schnell und deutlich reden sollten. Und genau das haben sie auch gemacht. Wenn sie mit mir sprachen, haben sie mich sogar angeguckt, einen Spur langsamer und deutlicher geredet. Auch haben sie, als sei es selbstverständlich, Sachen wiederholt.
In Kurzem: sie akzeptieren meine Hörbeeinträchtigung als sei es die normalste Sache der Welt.
Obwohl es ein bisschen voreingenommen klingt (und das ist es natürlich auch 🙂 ), kann ich nur sagen, das die Beiden wohl zur Beispiel vieler gut hörenden Erwachsenen dienen können.

Erziehung und Umfeld haben zwar einen sehr grossen Einfluss auf der Entwicklung der Kinder, sind aber noch keine Garantie dafür, dass sie zu Menschen heranwachsen, die jeden so akzeptieren, wie er ist. Aber wie ein altes Sprichwort schon sagt, «Jung gelernt, Alt getan», ist es wichtig die junge Generation zu sensibilisieren. Das sie früh lernen, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung oder Behinderung nicht anders sind als andere Menschen, sondern sich selbst.
Dass man mit gegenseitigem Respekt und ein wenig Rücksicht füreinander prima zusammenleben kann.

In diesem Rahmen, habe ich ich mich vor ein paar Monate bei ProCap, der grösste Mitgliederverband von und für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz, angemeldet für ein Sensibilisierung Projekt in Schulen, Ausbildungsinstituten und Firmen und freue mich schon auf die viele Begegnungen.

Und unsere junge Gäste? Wir haben sie wieder heil bei ihren Eltern abgeliefert und freuen uns das sie nächstes Jahr noch mal zurückkommen möchten. Die Einladung steht.

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Akustiker, Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

„Vom Akustiker gehört“


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In dieser Rubrik hält das Akustiker Team Sie auf dem Laufenden in Sache Technik, Beratung, Umgang mit Hörgeräte und persönliche Erfahrungen im Beruf eines Akustikers.

Das Akustiker Team besteht aus 2 Akustikerinnen und Oscar, ihr Mental Coach auf 4 Pfoten.

Wie sieht mein Alltag als Hörgeräteakustikerin aus? Wie der Umgang mit den Kunden?hearing-aid-1490115_1280

Die bestellten In-dem-Ohr Hörgeräte sind geliefert und ich kann wie vereinbart meinen Kunden informieren, dass wir den Termin für die Anpassung vereinbaren können. Ich wähle seine Telefonnummer. Seine Gattin nimmt ab und so trage ich mein Anliegen vor und frage, ob sie mich weiter verbinden könne.

Da ihr Gatte im Moment kaum etwas versteht, da er eines seiner Hörsysteme verloren hat, schlägt sie vor, mit mir den Termin zu vereinbaren. Sie sei sehr froh, dass die Geräte endlich da sind. Ihr Mann verstehe mit nur einem Hörgerät nicht und manchmal müsse sie ihn anschubsen, damit er auf sie reagiere.
Aufgrund des Untertones, der in ihrer Stimme mitschwingt, sage ich „ich hoffe Sie schubsen ihn liebevoll an“. „Nicht immer!“ ist die ehrliche Antwort.
Es sei im Moment kompliziert, da Kommunikation kaum möglich ist. Ohne, dass mir mehr erzählt wird, sehe ich vor meinem geistigen Auge die Situation.
Der Hörsystemträger und seine guthörende Partnerin stossen beide an ihre Grenzen. Eine gewisse Hilflosigkeit, Unverständnis, der Vergleich – früher hat er es doch verstanden. Es gibt dafür zahlreiche Gründe.

Hier liegt ein grosser Unterschied zu uns als Akustiker. Ich habe meinen Kunden schwerhörig kennengelernt. Ich mache keinen Vergleich in früher/heute. Ich habe das Ton- und Sprachaudiogramm ermittelt und sehe so, wie die Basis aussieht. Was ist möglich und was nicht mehr. Ganz objektiv.
Den Kunden so zu nehmen, wie er ist, ist für uns unser tägliches Brot. Sicher, jeder hat ein anderes Empfinden, das ist immer subjektiv gefärbt.

Im gemeinsamen Gespräch achte ich darauf, dass ein ruhiges Umfeld herrscht. Es sei denn ich möchte gezielt mit Umgebungsgeräuschen arbeiten. Ich schaue meinen Kunden an, vis à vis, spreche langsam, deutlich. Nein, ich schreie ihn nicht an. Das habe ich ohnehin noch nie verstanden, warum das jemand tut – das nur nebenbei.

 

 

 

 

 

 

 

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Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung, Hyperakusis

Hyperakusis mit einer experimentellen Dämpfung


Heute ein Gastbeitrag von Mirjam van Soest. Mirjam hat seit ihrer Gehirnoperation vor langer Zeit eine schwere Hyperakusis, hat sich aber nicht damit abgefunden. Sie hat weiter nach einer Lösung gesucht und nimmt nun an einer experimentellen Studie teil. Liesen Sie ihre Geschichte.

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Angespannt gehe ich in die Praxis des Arztes. Wir haben bereits im Vorfeld besprochen, dass ich keine Anästhesie erhalten werde, da die Anästhesiemethode für meine Hyperakusis zu schmerzhaft sein dürfte. Aber ich stelle mir vor, dass der Schmerz während der Gehirnoperation, mit der alles begann, zu verschwenden sein wird.
Der Arzt scheint auch ein wenig angespannt zu sein, von Begeisterung also. Denn mit einem breiten Lächeln fragt er mich dreimal, ob ich das wirklich will. Und wenn ich sage, dass ich diesen Prozess nicht umsonst selbst vorgeschlagen habe, können wir anfangen.
In meinem rechten Ohr wird eine Silikonmembran auf das Trommelfell gelegt. Nach einem kurzen Schuss Schmerz, der nicht so schlimm war als befürchtet, fühle und höre ich sofort einen Unterschied. Eine Dämpfung, als ob mein Ohr etwas geschlossen wäre. Auch am linken Ohr einige Schiessschmerzen, nach denen die Behandlung bereits vorbei ist.

An diesem Tag merke ich plötzlich, dass mich der starke Wind in meinen Ohren nicht so sehr stört. Auch das Geräusch von fliessendem Wasser aus dem Wasserhahn verursacht weniger Reizungen. Und auch der Fernseher ist 2 mal lauter.
Nach ein paar Tagen bemerke ich ein paar Dinge. Zuerst einmal bezweifle ich manchmal, dass sie nicht herausgefallen sind. Bald werde ich mir einen Unterschied vorstellen, ohne dass die Membranen noch an Ort und Stelle sind. Schliesslich ist der Unterschied nicht so gross. Ich schätze eine Verbesserung um 5-10%.
Ich hätte mir vielleicht eine weitere Verbesserung erhofft. Manchmal macht es mich etwas unsicher. Aber wenn ich schlucke oder gähne, höre ich oft ein kleines „Knallen“ in meinen Ohren, ein wenig, als ob man Wasser in den Ohren hätte. Also denke ich, dass sie immer noch da snd. Zweitens bemerke ich, dass mein Gehirn noch nicht überkompensiert ist. Etwas, das die Ärzte vorher beunruhigte. Ein grosses Plus!

Ich ging auch zu einem Kabarettabend. Eine Aktivität, an der ich normalerweise nicht sehr schnell teilnehme, wegen der vielen Lachsalven und Musik, aber die so viel Spass macht! Ich wollte das jetzt ausprobieren. Ich habe meine Kopfhörer mit „Noise Canceler“ mitgebracht und sie noch gebraucht.
Der Abend war noch ziemlich anstrengend, obwohl die Kopfschmerzen für mich nicht allzu schlimm waren. Die Dämpfung, die ich jetzt habe, ist leider nicht gut genug für die belebteren Aktivitäten! Aber um ehrlich zu sein, habe ich das auch nicht wirklich erwartet (vielleicht habe ich gehofft).
Ein grosser „Augenöffner“, dachte ich vorher, dass die Dämpfung mir ein unangenehmes, beängstigendes und bedrückendes Gefühl geben könnte. Schliesslich wartet niemand sofort darauf, weniger zu hören. Doch es scheint mir nur ein angenehmes und sicheres Gefühl zu geben und ich würde mir nicht einmal mehr Dämpfung wünschen! Geräusche sind plötzlich weniger bedrohlich. Auch wenn ich weiss, dass diese Membranen keine dauerhafte Lösung sind, würde ich mich zögern, sie wieder entfernen zu lassen! Vielleicht ist es immer noch möglich, sie etwas länger zu behalten.

Nach 2 Wochen bin ich wieder beim Arzt und stelle fest, dass ich definitiv offen bin für die Operation aus Amerika, wo sie ein Stück der eigenen Haut in beiden Ohren legen wollen, als Polsterung im Innenohr, am Steigbügel! Auch der Arzt ist sehr zufrieden! Er sagt, dass alles wegen der Versicherung, der Arztbesprechung usw. etwas länger dauern wird. In der Zwischenzeit will er etwas anderes ausprobieren, um mehr Dämpfung zu erhalten. Es fühlt sich vielversprechend an! Die grösste Ermutigung ist, dass es Fortschritte in der Entwicklung zur Behandlung von Hyperakusis gibt! Endlich!

 

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Akustiker, Alter, Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Gerät im Ohr


teddy-2845134_1280Quelle: Bild von Myshanah auf Pixabay

Wer kennt noch die süsse und schöne Plüschtiere mit der bekannten Slogan «Knopf im Ohr»?
Schon als junges Mädchen empfand ich eine grosse Liebe zu diesen Plüschtieren. Durch der Knopf im Ohr, wusste ich das sie echt waren und das machte die Liebe noch grösser. Leider aber auch viel teurer und bisher habe ich diese Liebe nur im Schaufenster oder Laden angeschaut.

Neulich kam mir diesen Slogan, Knopf im Ohr, wieder in dem Sinn, als eine Diskussion um die Hörgerätewerbung anfing. In meinem letzten Beitrag, Disklaimer, berichtete ich schon davon und auch in meinem Beitrag Farbe bekennen, habe ich schon mal darüber berichtet.

Der Slogan Knopf im Ohr ist schon sehr alt, aber auch heute assoziieren viele Menschen der Slogan noch sofort mit der Marke (welche ich hier, um auf Werbung zu verzichten, nicht erwähne).
Werbemässig hat man damals schon eine gute Sache gemacht.
Auch heute gibt es bestimmte Werbungen von früher, die mir noch im Gedächtnis geblieben sind. Von der hiesigen Werbungen aber, bleiben nur noch sehr selten, der Werbung wegen, im Gedächtnis hängen: sie sind meistens zu schnell, zu vage, zu lärmig und zu kompliziert.

Dabei könnte eine herausragende und spezifische Werbung für Hörgeräte, bei Musik nennt man das glaube ich Ohrwürmer, viel ausmachen. Eine deutsche Akustikerkette hat, bewusst oder unbewusst, bei der Knopf im Ohr Slogan angeeckt, und hat damit Erfolg, aber auch hier spielt leider das Alter erneut eine Rolle in dieser Werbung.
Es braucht nur ein packender, kräftiger Slogan, die dafür sorgen könnte, das Hörgeräte aus der Tabusphäre kommen, nicht mehr als altmodisch gesehen werden, sondern als etwas altersunabhängiges, etwas modernes und praktisches, was man nicht nur braucht sondern auch gerne trägt und was den ständig fortschreitenden Technik entspricht.

Insbesondere sollte der Schwellenwert für Menschen mit Hörverlust, die der Schritt, zum ersten Mal zu einem Hörgeräteakustiker zu gehen, gesenkt werden.
Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Besuch, vor etwa 35 Jahren. In der Nähe vom Akustikerladen ging ich immer langsamer voran, vor dem Schaufenster blieb ich stehen und zögerte meinen Ladeneintritt hinaus, als ob durch meinen Eintritt und der Anpassung eines Hörgeräts mein Hörverlust endgültig bestätigt wurde und es für mich danach keinen Weg zurück mehr gab. Was natürlich auch stimmte, damals aber noch schwerer zählte als jetzt.

Inzwischen hat sich schon viel verbessert, die Entscheidung, ob ein erstes Hörgerät oder (noch) nicht, müssen heute aber immer noch viele Menschen treffen. Leider wird diese Entscheidung oft noch viel zu lange vorausgeschoben, bis es wirklich nicht mehr geht.

Darum ist es so wichtig, das die Werbung von Hörgeräte und Akustikern nicht zu viel versprechen, sondern realistisch sind, damit man beim ersten Hörgerät, wenn man noch meint dass man mit Hörgerät „die Welt sich wieder öffnet“, nicht enttäuscht wird.
Die Werbung sollte zudem klar machen, dass eine Hörbeeinträchtigung altersunabhängig ist und dass das (erste) Hörgerät genauso akzeptiert werden soll wie die (erste) Brille. Nur dann kann die Zielgruppe der ersten HörgeräteträgerInnen erreicht und dessen Entscheidung für ein Hörgerät schneller getroffen werden.

Nach meiner Ansicht, hat die gesamte Hörgerätewerbung in erster Linie diese soziale Verantwortung, an mehr Akzeptanz, weniger Tabus und Stigmatisierung, beizutragen. Erst dann kommt der Verkauf, weil bei mehr Akzeptanz, mehr Menschen sich (früher) für ein Hörgerät entscheiden werden und der Verkauf sich onehin steigern wird.

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Hörbeeinträchtigung, Hyperakusis, Laut, Tinnitus

„Marga hört zu viel!“


Hyperakusis, Überempfindlichkeit gegen Lärm, ist allgemein weniger bekannt als Tinnitus, aber es gibt viele Menschen, die mehr oder weniger stark darunter leiden.

In diesem Rubrik «Marga hört zu viel!»  schreibt Marga van Hintum regelmässig über ihre Erfahrungen mit Hyperacusis.

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Kaffee mit Lärm
Kaffee, lecker! Ich kann es wirklich geniessen. Ich bin eine echte Kaffeetrinkerin. In Maßen, zugegebenermaßen. Morgens 2 kleine Tassen. Auch am Abend. Eigentlich sollte es besser sein, abends nicht so viel Kaffee zu trinken, aber ich schlafe gut. Und nun, es ist so gut …..

Kaffeegeschichte
Am Anfang stand der Teekessel auf dem Gasherd. Es handelte sich um kochendes Wasser im Teekessel. Kaffeebohnen wurden gemahlen; oh, was für eine herrliche Duft! Und dann mit einem Filter auf einer Kaffeekanne aufgiessen. Wie bei meiner Mutter zu Hause. Obwohl irgendwann mit einer Thermokanne, blieb der Kaffee schön warm.

Dann kam eine Kaffeemaschine mit Filter. Eine hochmoderne Maschine. Von nun an war alles automatisch. Als es gepresst wurde, brüllte es ein wenig. Kaffee fertig!

Wir überspringen ein paar Jahre in der Geschichte des Kaffees. Zu einem bestimmten Zeitpunkt kam die Pad-Maschine zum Einsatz. Ich habe die Anzeigen nicht sofort verfolgt. Aber irgendwann stand einer in der Küche. Schön und praktisch. Jede Tasse wurde frisch gemacht. Besonders praktisch, denn ich war die einzige Kaffeetrinkerin im Haus.

Auch hier ging alles automatisch. Ich musste nicht einmal mehr den schnellen Filterschliff im Filter stecken! Und ich musste den restlichen Kaffee nicht mehr in einer Thermokanne schütteln. Denn die zweite Tasse wurde wieder frisch gebraut.

Ich töne wie eine Werbeagentur ….

Höllische Maschine
Meine Arbeitsplätze hatten sehr unterschiedliche Kaffeemaschinen. Der eine Kaffee war ziemlich dreckig, weil der Kaffee aus einer Art Sirup hergestellt wurde, verdünnt mit heißem Wasser. Igitt! Aber ein anderer war köstlich, mit frisch gemahlenen Bohnen. Ich war da verwöhnt!

Und dann kam ich für immer nach Hause. Ich habe aufgehört zu arbeiten. Ich habe die Arbeit vermisst. Und ich habe den guten Kaffee vermisst. Nach einer langen Zeit des Überlegens, habe ich vor einigen Jahren die Entscheidung getroffen. Mit Hilfe des Internets hatte ich einen gefunden. Der war es. Ich hatte den am wenigsten lauten Espresso-Vollautomaten seiner Art gefunden. Jetzt kam eine höllische Maschine in der Küche, eine echte vollautomatische. Von einer soliden Marke. Ein Einsteigermodell, zugegeben, aber das sollte den Kaffeegenuss nicht beeinträchtigen. Ich genoss jede Tasse Espresso. Der Geruch von frisch gemaltem Kaffee; ein herrlicher Duft!

Aber oh, was für ein Lärm, den diese Maschine während des Schleifen machte. Und zu denken, meine Maschine war noch am wenigsten laut! Das war der einzige Nachteil, wirklich. Reinigen und Entkalken, das war für mich gar kein Problem. Das habe ich gut und regelmässig gemacht. Aber während des Schleifen musste ich mir die Finger in meinen Ohren stecken! Ich konnte mich nicht an das Geräusch der Schleifmaschine gewöhnen. Für einen Menschen mit gesunden Ohren war das schon eine Menge Lärm, geschweige denn ein Hyperakusist*. Aber dann kam die Belohnung: eine leckere Tasse Kaffee! Mmmmmmmmmmmmmmm …..

Ohne Maschine
Und dann geschah das Schicksal. Maschine kaputt. Aus mit dem Spass. Plötzlich hörte sie auf. Wie konnte das sein? Ich hatte mich immer gut um die Maschine gekümmert und sie gepflegt. Was sollte ich jetzt tun? Ich habe einige Versuche unternommen, um die Machine wieder zum Laufen zu bringen, natürlich mit Hilfe vom Internet. Leider umsonst.

Aber ich hatte noch irgendwo Papierfilter, zum Glück. Und es gab eine Bohnenmühle mit Pendel als Schmuck auf dem Schrank. Sie wurde gut entstaubt und sofort in Betrieb genommen.

Vorläufig stelle ich den Wasserkocher morgens und abends auf. Ohne Pfeife! Und jetzt mahle ich die Bohnen selbst. Von Hand. Mit der Bohnenmühle mit Pendel. Das macht viel weniger Lärm, muss ich sagen. Und es ist ein bewusstseinvoller Moment, zweimal täglich. Ein Moment der Meditation. Sich mit der Bohnenmühle zwischen die Knie setzen. Und einfach drehen. Auch ein tolles Training.

Und danach ist da der Genuss einer frischen Tasse Kaffee, köstlicher Kaffee. Mmmmmmmmmmmmmmm ….. !

* Hyperakusis, wörtlich „Ich höre zu viel“, ist ein Zustand, in dem man gegenüber normalen Alltagsgeräuschen überempfindlich ist. Alles klingt zu laut. „Der Lautstärkeknopf der Umgebungsgeräusche steht für jemanden mit Hyperakusis, der dauerhaft auf zu hoher Stufe steht“ (Quelle: Stiftung Hoormij).
Hyperakusis tritt in vielen Formen auf. Für mich sind besonders hohe Frequenzen sehr ärgerlich und verletzen meinen Kopf. Ich habe auch Tinnitus. Die Konzentration ist schwieriger und die Konzentration auf eine Schallquelle ist schwieriger.

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Akustiker, Alter, Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Disklaimer


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Neulich hat in den Niederlanden eine Kette von Hörgeräteakustikern von sich Reden lassen mit einer Werbung, leider negativ. Das Video und die dazugehörende Bilder, zeigen eine ältere Dame vor einem Akustikerladen, und die gleiche Dame die als Teenager den Laden wieder verlässt.
Laut Akustikerketten, wollen sie die Zielgruppe der älteren hörbeeinträchtigten Menschen, die oft zu lange mit einem Hörgerät warten, erreichen. Dieser Schuss geht aber ganz nach hinten.
Erstens wird man mit einem Hörgerät nicht 50 Jahre jünger und schlanker, sonst wäre ich selbst schon seit etwa 35 Jahre schön und schlank. Zweitens, eine Hörbeeinträchtigung hat keine Altersgrenzen.

So eine Werbung verstärkt einmal wieder alle Klischees, Tabus und Stigmatisierungen über Hörbeeinträchtugung und Hörgeräte in einem. Dabei frage ich mich, warum das so sein muss.
Klar verstehe ich den Versuch, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen, aber diese Zielgruppe (oder andere) könnte man auch ganz anders angehen. So schwebt mir zum Beispiel einen Slogan vor Augen wie «Unsere Hörgeräte sind zu gut sie zu verstecken», oder «Wir lieben Hörgeräten die sich zeigen lassen können», oder «Hörgeräte kümmern sich nicht um das Alter, sondern um die Funktionalität».

Wie ich schon mal geschrieben habe (im Beitrag «Farbe bekennen»), senden die meisten Hörgerätewerbungen ein komplett falsches Signal, dass die Vorurteile der gut hörenden Menschen (hörbeeinträchtigte Menschen sind alt und für eine Hörbeeinträchtigung oder für Hörgeräte muss man sich schämen) nur bestätigt und macht alle Versuche zu einer Inklusion zunichte.

Warum investieren die Akustiker und Hörgerätehersteller nicht in einer Werbung die die Realität mehr entspricht und mit der sie ihre Hörgeräte trotzdem gut darstellen können.
Nein, liebe Akustiker und Hörgerätehersteller, mit einem Hörgerät «öffnet sich die Welt» nicht und kann man auch nicht wieder unbesorgt an Tischgespräche teilnehmen. Mit einem Hörgerät kann man höchstens wieder etwas besser verstehen, aber einmal ein hörbeeinträchtigter Mensch wird man mit Hörgerät vielleicht ein besser hörender Mensch, aber noch immer kein gut hörender Mensch.

Eigentlich braucht die Hörgeräte- oder Akustikerwerbung einen Disklaimer, wie bei Medikamentenwerbung. So in der Art wie «Unsere Hörgeräte sind Hilfsmittel und keine Wundermittel. Bei Zweifel, fragen Sie Ihren HNO-Arzt oder Akustiker».

So einen Disklaimer wäre nicht nur fair, sondern würde die Realität viel näher kommen. In der nächsten Zukunft sehe ich aber leider noch keine Änderung der Werbung und daher überlege ich mir ob es sich lohnen würde, eine Kampagne zu starten, die einen Disklaimer in der Hörgerätewerbung verpflichten sollte.
Was meinen Sie dazu, liebe Leserinnen und Leser? Ich nehme Ihre Rückmeldungen gerne entgegen.

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Auditive Herausforderung, Hörbeeinträchtigung

Die Loreley


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Bildquelle: Foto Autorin

Letztes Wochenende haben wir ein paar Tage in Deutschland verbracht und fast die Loreley besucht (wer die Geschichte der Loreley nicht kennt, kann sie gerne googeln, zum Beispiel auf «Mythos Loreley»).
Meine Mutter hatte Geburtstag und wir hatten uns darauf geeinigt, uns Halbwegs den Niederlanden und der Schweiz zu treffen.
Unser Hotel war direkt am Rhein und direkt der Loreley Felsen gegenüber gelegen und die Aussicht war wunderbar.

Am ersten Tag haben wir einen nostalgischen Rheinschifffahrt gemacht. Und mir fiel sofort auf, das alles, von Anlegestelle bis zum Schiff selbst, Rollstuhltauglich war. An Bord des Dampfschiffes war sogar einen Treppenlift anwesend. Für uns besonders angenehm, da meine Mutter, wenn sie unterwegs ist, einen Rollstuhl benutzt.
Einen Ringleitung gab es leider nicht, was für mich das Verstehen der Informationsdurchsagen unterwegs besonders erschwerte,
um so mehr da die ganze Zeit auch einen, zwar leisen, Hintergrundmusik tönte. Besser gesagt: ich konnte die Durchsagen kaum verstehen und musste regelmässig bei meinem Mann, Mutter oder Bruder nachfragen. Zum GLück ist das für uns nie ein Problem.
Immerhin haben wir den Tag und die Rheinschifffahrt besonders genossen!

Am zweiten Tag sind wir den Loreley Felsen hochgefahren. Dort gibt es ein Besucherzentrum und ein Landschafts- und Kulturpark. Auch hier war alles Rollstuhltauglich und konnten wir trotz Wetters angenehm spazieren und die wunderbare Aussicht geniessen.
Wir hatten gedacht, dass wir hier oben die Statue der Loreley sehen und bewundern konnten, wurden jedoch anders belehrt. Der Felsen war «nur» als Aussichtspunkt gedacht und die Statue der Loreley befindet sich … unten am Rhein auf einer Landzunge! Später sind wir dann mit dem Auto daran vorbei gefahren, konnten die Dame, weil es in dem Moment zu sehr regnete, leider keinen persönlichen Besuch abstatten. Aber,
als wir wussten wo sie stand, konnten wir die Loreley sogar von unserem Hotel aus sehen … ! Auf dem Bild hier oben, sehen Sie de blaue Fahne, dann einen Baum und vor dem Baum sitzt die Loreley: sie ist grau und hat eine Schutzfarbe.

Im Grossen und Ganzen eine schöne Erfahrung und einen schönen Geburtstag für meine Mutter.
Nur finde ich es etwas schade und eigentlich eine
verpasste Chance, das mit etwas mehr Mühe, d.h. mit einer Ringleitung oder einfach durch ein paar Exemplare der Text der Durchsagen auf Schrift in Deutsch und Englisch zur Verfügung zu stellen, wäre die Schifffahrt auch für hörbeeinträchtigten Menschen besser zugänglich gewesen. Schliesslich sind die Durchsagen Standard und die meisten Gästen waren den ganzen Mittag auf dem Schiff. Wenn man so sein Bestes tut ‹Behindertengerecht› zu sein, wäre das erst Recht Inklusion gewesen.

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