Selbstverständlich


Selbstverständlich

Quelle: http://www.freeimages.com/photo/brain-001-1172516 @Miranda Knox

Letzte Woche habe ich „meine Dame“ im Altersheim besucht. Die Dame ist neulich umgezogen und wohnt jetzt mehr bei mir in der Nähe in geschützter Wohnumgebung. Es war für sie noch alles etwas neu, aber wir haben das schöne Wetter genossen und waren im Park spazieren.

Auf dem Rückweg gibt es einen Unterdurchgang mit Platz für Fussgänger und Velos. Noch voll im Gedanken an meiner Dame und dem Besuch, hörte ich irgendwie wohl eine Stimme, wurde es mir aber später bewusst. Erst als ich kurz danach die Strasse überquerte, schoss einen Velofahrer an mir vorbei, mich sehr vorwurfsvoll anguckend. Da fing es bei mir an zu Dämmern … Der Velofahrer hatte natürlich schon im Unterdurchgang an mir vorbeifahren wollen, hat dann etwas gesagt als ich nicht zur Seite gegangen war und war jetzt sauer auf mich! An dieser Stelle möchte ich mich beim Velofahrer entschuldigen: ich habe Sie wirklich nicht gehört!
Es ist leider nicht das erste Mal das so was passiert. Auf der Strasse, beim Einkaufen, passiert es öfters das ich nicht höre das Leute von hinten an mir vorbeigehen wollen, ich im Weg stehe und dass erst gar nicht bemerke. Die Reaktionen variieren dann von Gelassenheit, Ärger, bis auf Kommentare wie „Hey, bist du Taub??“ Ärm … nein, aber ich habe eine Hörbeeinträchtigung!

Wir nehmen Tag ein, Tag aus, mit all unseren Sinnen wahr und erfahren das auch noch als selbstverständlich. Bis einer unseren Sinnen uns im Stich lässt, wie unseren Augen oder unser Gehör. Dann ist es nicht mehr so selbstverständlich dass wir etwas sehen oder hören. Meistens übernehmen oder kompensieren zum Teil andere Sinnen das Funktionieren des beeinträchtigten Sinnesorgans. Sehbeeinträchtigten spüren oder hören besser, Hörbeeinträchtigten benutzen öfters Ihren Augen, wie zum Beispiel beim Ablesen. Auch dieses Prozess nehmen wir oft als selbstverständlich war. Das unser Gehirn dafür sehr hart arbeiten muss, ist aber nicht so selbstverständlich wie wir denken. Das Gehirn ist wie einen hochkomplexen Computer. Wenn irgendwann im Prozess etwas falsch geht, dann haben wir eine Störung. Und, im Gegensatz zum Computer, können wir unser Gehirn nicht einfach so ein- und ausschalten, oder neu starten.

So gibt es Hörbeeinträchtigten die, mit den Ohren Geräusche wahrnehmen können, aber das was sie wahrnehmen, wird nicht zum Gehirn weitergeleitet, kommt dort oben nicht an und haben, infolgedessen, eine Hörbeeinträchtigung.
Und so werden Ohrengeräusche (Tinnitus) nicht durch den Ohren gehört, sondern die Geräusche werden vom Gehirn produziert. Wie das alles genau funktioniert, ist zum grössten Teil noch nicht bekannt und wird noch fleissig erforscht, aber es zeigt wie komplex unser Gehirn ist.

Auch wenn ich nicht immer alles höre, verstehe oder wenn mein Gedächtnis bei Müdigkeit manchmal nachlässt, ich weiss dass mein Gehirn eine Spitzenleistung liefert, auf Hochtouren dreht und das ist jedoch gar nicht so Selbstverständlich.

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