Scham


shame-1431469-639x852
Quelle: http://de.freeimages.com/photo/shame-1431469 @J V

Neulich wurde mir gefragt, ob ich einen Kolumne schreiben könnte mit dem Thema Scham und Situationen in dem man sich als Hörbeeinträchtigte beschämt fühlte.
Nun, da konnte ich natürlich welche Beispiele erwähnen. So erfahren Hörbeeinträchtigten oft Scham, wenn gelacht wird als sie etwas falsch verstanden haben, eine falsche Antwort geben, oder noch etwas sagen zu einem Gesprächsthema, obwohl das Thema sich schon längst geändert und der Hörbeeinträchtigte das nicht mitbekommen hat.
Auch ich kenne mich in solche Situationen ausreichend aus. Meiner Meinung nach, gibt es in solche Situationen zwei Optionen. Option eins ist, sich aus Scham zurückziehen und die Gesprächspartner nachgrübeln, weil sie über deine Kommunikationsfehler gelacht haben.
Option zwei ist, das Lachen nicht persönlich nehmen, mit den anderen mitlachen und erklären was du im Gespräch verstanden hattest, oder dass du den Themawechsel nicht mitbekommen hattest.

Meiner Erfahrung nach, funktioniert Option zwei am Besten. Erstens, weil man bei Option eins das Risiko eingeht, längerfristig als unerfreuliche Person betrachtet zu werden, weil es in solchen Situationen häufig zurückzuziehen und zu grübeln gibt.
Zweitens, weil ein bisschen Selbsthumor nicht schadet, als angenehm empfunden wird und den eigenen Alltag erleichtert.

Drittens … weil es NICHTS gibt worüber man sich schämen sollte! Wieso sollte jemand, der in einem Rollstuhl sitzt, sich schämen dass er/sie keinen Treppen laufen kann? Oder jemand der weniger sieht, dass er/sie eine Brille braucht? Genau. So sollte jemand der eine Hörbeeinträchtigung hat sich nicht schämen, weil er/sie weniger versteht oder einen Hörgerät braucht.
Eine Hörbeeinträchtigung ist wie sie ist und wir haben keinen Einfluss darauf, falls unser Gehör nachlässt.

Worauf wir aber selbst Einfluss haben, ist die Art und Weise wie wir kommunizieren. Wenn eine Person mich auf der Strasse merkwürdig anschaut, weil ich ihre Frage nicht verstehe und zwei, dreimal um Wiederholung bitte, ohne klar zu machen das ich eine Hörbeeinträchtigung habe (ja, ist mir selbst tatsächlich schon passiert!) dann sollte ich mich diese Person gegenüber nicht schämen, sondern über meine Kommunikation nachdenken. In dieser Fall, hätte ich bei der erste Bitte um Wiederholung besser sagen sollen, dass ich hörbeeinträchtigt bin und ob sie die Frage langsam und deutlich wiederholen konnte.
Oder soll ich mich anderen gegenüber etwa schämen, wenn ich einen Termin verpasse, weil ich das Datum oder die Zeit falsch verstanden habe? Nein, ich kann mir selbst höchstens rüffeln, weil ich den Termin ungenügend kontrolliert habe. Schliesslich ist das ja meine eigene Verantwortung.

Nun, ich kann Ihnen hier wohl verraten, dass ich selbst mittlerweile der Scham vorbei bin. Klar, Ereignisse und Vorfälle, Missverständnisse gibt es natürlich immer wieder. Aber ich schäme mich nicht mehr für meine Hörbeeinträchtigung. Ich versuche meine Kommunikation zu verbessern, was allerdings nicht immer leicht ist, das gebe ich schon zu. Aber auch mit 50 ist man nicht zu alt zu lernen und sich verbessern kann man in jedem Alter, jeder auf seinen eigenen Art und Weise.

Ein Tipp gegen Scham hätte ich aber noch für Sie: Für Humor und Offenheit brauchen Sie sich auf keinen Fall zu schämen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s