Überraschung


uberraschung

Quelle: http://de.freeimages.com/photo/snowman-with-surprise-no-bkg-1343279 @Marek Kowalik

Gestern war ich in der Stadt. Da mein ÖV Billet von Dienstagabend 24 Stunden gültig war, entschied ich mir gestern noch einiges in der Stadt zu erledigen, wozu ich sonst kaum Zeit habe. So war ich eine Weile in einem Perlenladen, wo ich etwas Modeschmuck reparieren lassen wollte. Die Reparatur kann man, wenn man Zeit hat, teilweise selbst vor Ort machen und wo man Hilfe braucht, kann man die in Anspruch nehmen. Als ich an der Theke zusah, wie eine Mitarbeiterin des Ladens eine Reparatur ausführte, stand eine etwas ältere Dame neben mir an der Theke. Wir lächelte uns freundlich an und die Dame sagte etwas zu mir, was ich nicht verstand. Deshalb bat ich sie das Gesagte zu wiederholen. Als ich es dann noch nicht verstanden hatte, die Dame redete ziemlich schnell, bat ich sie ein wenig langsamer zu reden, weil ich Schwerhörig sei und deshalb ein wenig Mühe hatte sie zu verstehen. Zu meiner Überraschung fing die Dame an zu lachen und meinte „oh, ich bin auch Schwerhörig und verstehe was sie meinen. Dann werde ich so reden wie ich es selber auch gerne hätte“ und fing an in langsamen (d. h. in normales, nicht zu schnelles Tempo) Hochdeutsch zu reden. Und ab sofort verstanden wir uns! Ich erzählte die Dame, das ich nicht immer sofort sagte das ich Hörbeeinträchtigt sei, aber abhängig der Situation mich dafür entschied es gleich, etwas später oder gar nicht zu sagen. Die Dame stimmte mir zu und meinte, das sie selbst das gleiche tat. Wir unterhielten uns weiter noch ein wenig, bis die Dame fertig war und sich verabschiedete.
So kann man ab und zu angenehm überrascht werden, wenn man es am wenigsten erwartet. Ich hatte die Hörgeräte der Dame nicht bemerkt, obwohl ich meistens ein gutes Gespür dafür habe und Hörgeräte ziemlich schnell entdecke, ob sie nun versteckt sind oder nicht.

Da kommt aber so die Frage hoch, ob man unbedingt sofort Leute mitteilen sollte das man Hörbeeinträchtigt ist oder nicht. Obwohl ich der Meinung bin, das Hörbeeinträchtigte auf jeden Fall offen über ihre Hörbeeinträchtigung sein sollten, stelle ich mich Fremden nicht vor als „hallo, ich bin Renée und Hörbeeinträchtigt“.
Erstens, weil ich nicht meine Hörbeeinträchtigung BIN! Zwar ist meine Hörbeeinträchtigung ein Teil meines Lebens, aber ich bin natürlich viel mehr als das. Leider hat eine Hörbeeinträchtigung immer noch einen gewissen Stempel, weil viele Menschen eine Hörbeeinträchtigung nicht gut einschätzen können. Deswegen ist ja Offenheit sehr wichtig, dieses falsches Bild zu verdrängen.

Zweitens ist es sicher nicht in alle Fälle notwendig die Hörbeeinträchtigung zu erwähnen. Und wenn es nicht nötig ist, dann lasse ich es so. Das ist nicht weil ich meine Hörbeeinträchtigung verstecken will, oder der Einfachheit halber, sondern eine Einschätzung der Situation. Falls ich jemand verstehe, dann verstehe ich dieser Person halt. Wenn nicht, dann kommt die Hörbeeinträchtigung zur Sprache. So beantworte ich die Frage an der Kasse beim Supermarkt ob ich Märkli sammle, nur mit ja oder nein, auch wenn ich die Frage nicht verstanden, sondern geraten habe. Habe ich die Frage falsch eingeschätzt und stellt sich heraus das man mir gefragt hat ob ich zum Beispiel 100 CHF haben möchte, dann erkläre ich schon das ich Hörbeeinträchtigt bin und die Frage falsch verstanden habe. So einfach ist es für mich.

Übrigens, wenn diese Frage überraschenderweise mal käme, dann wäre die Antwort natürlich ja 😉 ….

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6 Gedanken zu “Überraschung

  1. Wenn ich mit Gruppen arbeite, die alle leise reden (ich höre auch nicht mehr so wirklich gut und an manchen Tagen noch schlechter als sonst), dann weise ich meist gleich darauf hin. Ansonsten erspare ich es mir und rate manchmal eben auch, was mein Gegenüber wohl von mir gewollt haben könnte… Unangenehm wird es dann, wenn die leute plötzlich anfangen zu schreien.. oder einen dann mit dem Spruch: Was haste gesagt? hochnehmen. Ja, schwerhörig sein ist anscheinend immer noch etwas ganz seltenes. -.-

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  2. „Ja, schwerhörig sein ist anscheinend immer noch etwas ganz seltenes. -.-“ … und vor allem stellen sich viele darunter etwas anderes vor. Ich staune auch immer wieder, wie vergesslich meine Arbeitskollegen sind, obwohl wir schon sehr viele Jahre zusammen arbeiten %-)

    Zum eigentlichen Beitrag: Wie schon einmal erwähnt, entdecke ich mich selbst oft in Renees Berichten. Ich weise meine Gegenüber auch nicht immer auf meine Schwerhörigkeit hin bzw. dass ich Hörgeräte trage. Natürlich kann es dann zu komischen Situationen führen, wenn ich mein Gegenüber nicht richtig verstehe und ich dann eine total verkehrte Antwort gebe. (Ich erinnere mich an eine Situation in einer Postfiliale, als ich ein Packerl aufgeben wollte. Der Mitarbeiter am Schalter fragte etwas, was ich nicht verstand und meinte nur: „Ja.“ Er: „Was denn nun? Priority oder Standard?“) Anders sind die Situationen, wenn ich selbst in total angespannter Verfassung bin, so dass ich meinen Sprachfehler kaum unterdrücken kann und meine Gegenüber mich dann mit ratlosen Augen anblicken… das kann manchmal sehr kompliziert werden.

    So ist das Leben! 🙂

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  3. Das beschreibst du sehr gut Sori :-)! Wenn ich merke das es zu Missverständnisse kommt, oder kommen kann, dann sage ich ganz bestimmt über meine Hörbeeinträchtigung Bescheid. In dem Fall wie bei der Post, hätte ich sofort gesagt: „Oh, dann habe ich Ihnen nicht richtig verstanden, ich bin Schwerhörig“. In angespannter Verfassung wird es natürlich schwieriger. Trotzdem ist es auch und gerade dann wichtig die Leute über deine Hörbeeinträchtigung Bescheid zu sagen, damit sie wissen wo deiner Angespanntheit herkommt. Klarheit ist in solche Situationen sicher am Besten, eben damit die Sache nicht so kompliziert wird. Versuch es mal: mit einem Lächeln einfach zu sagen: Oh, ich glaube da gibt es ein Missverständnis. Ich bin Hörbeeinträchtigt, können wir bitte Neuanfangen, oder könnten Sie bitte noch mal wiederholen … usw. Versuch dich aber kein Stress zu machen. Mit ein wenig Humor kommt man auch sehr weit!

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