Interview


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Quelle: http://de.freeimages.com/photo/interview-1549929 @Jon Wisbey

Neulich bekam ich eine nette Anfrage für ein Interview über meinen Blog und über die Hörbeeinträchtigung in meinem Leben. Die Anfrage kam von einem grossen Deutschen Akustiker und man versicherte mir, dass es sich nicht um irgendeine Werbung handelte. Für mich war das schon wichtig, weil ich meinem Blog absolut neutral halten möchte, damit es für Jeder offen steht.
Da ich keine Werbung machen musste, habe ich das Interview zugestimmt und man hat mir die Fragen per Mail zugeschickt. Die Antworte habe ich dann per Mail zurück geschickt und man hat daraus ein schönes Interview gemacht, was zu lesen ist auf https://www.geers.de/blog/ich-bin-schwerhoerig-na-und.

Einerseits freue ich mich sehr über solche Aufmerksamkeit. Mir geht es dabei nicht um mich oder um Leserzahlen, sondern darum diejenige zu erreichen die interessiert sind an das Thema meines Blogs und hoffentlich auch davon ermutigt werden sich über ihre eigene Hörbeeinträchtigung zu öffnen. Denn wir brauchen ja viel mehr positive Beispiele von Hörbeeinträchtigten die sich im Alltag und Arbeit gut mit ihrer Hörbeeinträchtigung herumschlagen. Viele von diesen Menschen sind aber wie ich vorher: sie reden ja nicht gerne über sich selbst und ihre Beeinträchtigung, oder machen ja gar kein Problem daraus. Das ist nur zu loben, weil das heisst, dass sie gut integriert sind und sich von ihrer Hörbeeinträchtigung nicht aufhalten lassen.

Andererseits mag ich keine Aufmerksamkeit um meine Person! Aber im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mehr Aufmerksamkeit auf mich lenke, wenn ich nicht offen bin über meiner Hörbeeinträchtigung! So habe ich zum Beispiel jahrelang Familienfeier früher verlassen, weil es mir, trotz Geselligkeit, zu viel wurde. Es stellte sich heraus, dass manche in der Verwandtschaft dachten, das ich diese Zusammenkünfte nicht schätzte und deshalb frühzeitig nach Hause ging. Bis ich dann einiges erklärte und klar machte dass immer gerne geblieben wäre, aber es so lange wirklich nicht aushielt. Dann kam das Verständnis!

Eine Hörbeeinträchtigung hat leider immer noch ein negatives Bild in der Öffentlichkeit. Es wird immer noch mit Alter und „Dummheit“ assoziiert, was natürlich, wie wir allen wissen, Unsinn ist. So hat neulich noch der amerikanische Präsidentskandidat Donald Trump die gehörlose amerikanische Schauspielerin Marlee Matlin als „zurückgeblieben“ etikettiert. Und, wie beleidigend so eine Aussage auch sei, er ist leider nicht der einzige der so denkt.
Deshalb ist es mir so wichtig, das wir, Hörbeeinträchtigte, unsere Erfahrungen in die Öffentlichkeit bringen. Nun müssen wir natürlich nicht alle sofort einen Blog anfangen, aber es ist
schon notwendig, dass wir alle über unsere Hörbeeinträchtigung reden. Und damit meine ich nicht das wir uns beklagen sollen, das wir so viele Probleme haben oder Hilfe brauchen! Nein, im Gegenteil: zeigen wir was wir alle täglich für Top-Leistung erzielen, und das wir Stolz darauf sind. Das wir eine Hörbeeinträchtigung nicht mehr aus Scham oder Bescheidenheit verstecken, sondern das wir offen sind, anderen erzählen was wir von den andern bei der Kommunikation brauchen und als Gesprächspartner selber das gute Beispiel geben. Nicht nur sagen, „das kann ich nicht“, sondern nach Alternative suchen, mit oder ohne die Andern. Wir selbst haben schliesslich eine wichtige und aktive Rolle in unserer Kommunikation.

Und genau das treibt mir zu diesem Blog und werde hier noch vorläufig über meine Hörbeeinträchtigung im Alltag schreiben, Sie sind also gewarnt ;-)!

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