Vögel


Vogel

Quelle: Foto Autorin

Seit einer Woche haben wir auf unserem Balkon eine gefederte BesucherIn. Er oder sie fliegt regelmässig hin und her und holt sich das Essen. Das Futter hatte ich schon in Februar dieses Jahres aufgehängt, aber bisher hatte sich noch keiner getraut zu unserem Balkon hoch zu kommen. Aber jetzt ist dann doch einer da. Ob der Besucher männlich oder weiblich ist weiss ich nicht, aber ich vermute es ist eine Besucherin, die ihre Niste futtern muss. Leider konnte ich noch kein Foto machen, weil unsere BesucherIn ist ein wenig scheu. Etwas Müll hinterlässt unsere BesucherIn schon, aber ich räume den gerne weg. Es macht mir grosse Freude zu sehen, wie sie oder er unbeschwert das Futter holt und dann wieder geht. Ein Dankeschön braucht es nicht, wir verstehen uns auch so. Und manchmal wünschte ich mir, dass die menschliche Kommunikation genauso einfach wäre.

Gestern gab es hier in der Schweiz wunderbares Wetter und haben die Dame, die ich im Altersheim besuche, und ich einen schönen Spaziergang gemacht. Sogar zweimal, nach einer kurzen Teepause. Die Vögel unterwegs hatten scheinbar viel Freude an dem Frühlingshaften Wetter, sie zwitscherten laut und fröhlich in den Bäumen. Was sie einander zu erzählen haben, bleibt ihr Geheimnis. Mich freut es einfach, die Vögel Dank Hörgeräte noch hören zu können. Diese Töne sind eigenartig und mir scheint es zum Beispiel fast unmöglich einen Gehörlosen zu erklären wie Vögel zwitschern. Genau so, wie man einen blinden Menschen kaum erklären kann wie Farben aussehen.
S
o gibt es vieles was Beeinträchtigte verwehrt bleibt. Trotzdem versuchen die meisten das Beste aus ihrem Leben zu machen. Das braucht Mut, Duschhaltungsvermögen und Kraft. Und das verdient unser aller Hochachtung. Ob man nun Hör-, Seh- oder Gehbeeinträchtigt ist, Alle haben das Recht auf ein vollwertiges und selbstbestimmtes Leben.

Am 11. Mai ketteten sich rollstuhlfahrende Aktivist*innen aus ganz Deutschland am Reichstagsufer in Berlin über Nacht an. Sie demonstrierten für mehr Barrierefreiheit von Orten der privaten Wirtschaft (Restaurants, Kinos etc.) und für ein Recht auf Sparen auch bei Assistenzbedarf. Damit kritisierten sie die Entwürfe des „Bundesgleichstellunggesetzes“ und des „Bundesteilhabegesetzes“ (https://leidmedien.de/aktuelles/presseschau-nichtmeingesetz/). Nun bin ich bestimmt keine Aktivistin, aber jedes Gesetz das die Freiheiten der Beeinträchtigten einschränkt oder einschränken könnte, hat nicht meine Sympathie. So berichtete ich neulich auch über eine Regelung, e.g. eine Einschränkung in den Niederlanden (https://reneeiseli.wordpress.com/2016/05/02/dolmetscher/).
W
ie kann man als Gesellschaft oder als Politik über Integration und Inklusion reden, wenn es immer noch so viele Barrieren für Beeinträchtigten und Chronisch Kranken gibt? Eine Frage die leider noch zu wenig gestellt wird, deshalb finde ich es eine gute Sache, dass Beeinträchtigte mal ihre Meinung zeigen, obwohl ich es selbst nie so weit treiben würde mich anzuketten :-).

So frei und unverbindlich zu leben wie der Vogel auf unserem Balkon werden beeinträchtigte Menschen es wohl nicht schaffen, aber solange wir uns von anderen nicht einschränken lassen, können wir unser Leben jedoch so viel wie möglich selbst gestalten!

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