2 Minuten Stille


2 Minuten Stille
Quelle: http://de.freeimages.com/photo/the-leaf-1190964 @Dan Colcer

In den Niederlanden werden jährlich am 4. Mai den Opfern aus dem 1. und 2. Weltkrieg gedacht und am 5. Mai wird das Ende des Krieges gefeiert.
Gestern war es wieder so weit. Um pünktlich 20.00 Uhr wird überall im Land 2 Minuten Stille eingehalten um den Kriegs gestorbenen zu ehren. Verkehr hält an, Leute schweigen. Wo ich auch bin, selbst halte ich immer diese Schweigeminuten ein, auch in der Schweiz. Diese Tradition finde ich schön, nicht nur weil ich die Geschichten meiner Grossmutter und Eltern gehört habe, sondern auch und vor allem weil solche Momenten die nächste Generationen von den Folgen eines Krieges bewusst machen.

Selbst hatte ich einmal die Ehre an so einem Gedenkfeier dabei zu sein. Normalerweise meide ich grosse Menschenmenge immer, aber in diesem Jahr gab es 50 Jahre Befreiung zu feiern und meine Eltern wollten das gerne in Amsterdam miterleben. Ich wohnte damals ganz in der nähe von Amsterdam und meine Eltern sind dann zu mir gekommen. Selbstverständlich gehörte für uns das Gedenken der Gestorbenen am Damplatz auch dazu. Und es war eine Erlebnis die mir richtiges Gänsehaut besorgt hat und die ich nicht wieder vergessen werde.
Wir waren früh da und hatten einen sehr guten Platz bekommen. Der Damplatz, vor dem nationalen Monument, war komplett voll. Vor mir stand einer Militärkapelle. Als dann die Kapelle kurz vor 20.00 Uhr mit ein Signal die Schweigeminuten einleitete und auf einmal plötzlich alles rundum total Still wurde, war das so eindrucksvoll! Die 2 Minuten dauerten lange, obwohl ich mich das damals nicht so Bewusst war. Als dann das Signal zur Beendung der Schweigeminuten tönte, und die Geräusche rundherum langsam wieder anfingen, war ich mich erst wirklich bewusst was 2 Minuten Stille ausmachen können. Ein ganzes Land für 2 Minuten stilllegen, und das jedes Jahr, ist nicht selbstverständlich. Das die Mehrheit einer Bevölkerung tatsächlich für 2 Minuten die Stille einhält, ist nicht selbstverständlich. Und trotzdem passiert es, jedes Jahr.

Die Stille ist nicht nur wohltuend, fordert auch auf einmal im Jahr über Krieg, Leben und Tot nachzudenken. Und das ist auch gut so. Eben so das feiern am Tag danach und die Stimmung in 1995, in dem Jahr als ich dabei war, war so schön! Viele Veteranen waren eingeladen und Leute die sich überhaupt nicht kannten haben sich gegrüsst und sogar umarmt.
Wenn ich so darüber nachdenke, sind mir die heutige Befreiungskonzerte viel, viel zu laut, aber natürlich hat jede Generation das Recht auf ihre eigene Weise zu gedenken und zu feiern.

Ich hoffe nur, das die 2 Minuten Stille noch lange als Tradition behalten bleiben. Für alle Generationen. Ich werde sie sowieso immer einhalten.

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2 Gedanken zu “2 Minuten Stille

  1. Auch wenn ich ständig und gern auf Konzerte gehe, wir in einer lärmüberfluteten Gesellschaft leben, es scheinbar kaum Möglichkeiten gibt, dem akustischen Müll zu entrinnen – es muss wunderbar sein, dass in einer so großen Stadt wie Amsterdam zwei Minuten Stille möglich sind.

    Liebe Grüße aus der Walzerstadt Wien,

    Sori
    (Heute ohne Hörgeräte, weil sie den Feiertag zum Lernen in ihrer Wohnung nutzt und erlebt somit ihre eigene Art von Stille.)

    Gefällt 1 Person

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