Dolmetscher


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Quelle: http://de.freeimages.com/photo/american-sign-language-1309076 @Julia Freeman-Woolper

In den Niederlanden gab es in März eine grosse Aufregung in den Kreisen der Hörbeeinträchtigten. Grund dieser Aufregung war eine Nachricht, dass ein gehörloser junger Mann sein Dolmetscher für seine Weiterbildung von der niederländischen IV nicht mehr bezahlt bekommt, weil er 30 geworden ist.
Der junge Mann sei gut ausgebildet gewesen, hat gearbeitet, jedoch seine Arbeit durch die Krise wieder verloren. Damit er seine Chancen auf der Arbeitsmarkt verbessern wollte, hatte er sich letztes Jahr für eine Studie entschieden. Das niederländische IV hat sein Dolmetscher bezahlt. Als er in Juli eine Verlängerung dieser Zahlung beantragt hat, wurde diese jedoch abgelehnt, weil er inzwischen 30 Jahr geworden war.
Laut der Nachricht sei „Diese Altersgrenze an das Alter von 30 Jahr verbunden, weil man auch Personen mit einer Behinderung eine Vollzeit Studium mit Hilfe abrunden lassen möchte jedoch vor sie 30 Jahr sind.“ Der junge Mann hat sein Fall fürs Gericht gebracht und kein Recht erhalten. Er muss jetzt entweder sein Studium beenden oder sein Dolmetscher selbst bezahlen.
Eine Diskussion entstand und harte Wörter sind gefallen: von Diskriminierung bis zum Verletzung der Menschenrechten. Andererseits meinte jemand, weshalb der junge Mann schon Geld für das Gerichtsverfahren hatte und nicht für seinen Dolmetscher.
Ob der junge Mann bei der Anfang seines Studiums gewusst hat, dass sein Dolmetscher ab seinem 30. Jahr nicht mehr vom niederländischen IV bezahlt wird weiss ich nicht, weil das die Geschichte nicht erzählt. Wenn nicht, dann hätte er zuvor vom IV oder die Dolmetscherdienst informiert werden sollen. Wenn ja, dann ist er bewusst das Risiko eingegangen. Wie auch, ich gebe ihm schon Recht das er damit fürs Gericht gegangen ist.

Selbst bin ich sehr für Aus- und Weiterbildung. Ich glaube das bereichert einem das Leben, auch wenn es einem nicht beruflich weiterbringen sollte. Einerseits verstehe ich die Regelung, dass man jeder bis 30 Jahr die Möglichkeit gewähren will sich komplett auszubilden. Das danach das Geld fehlt, dass ist zu bedauern, aber solche Regelungen sind nicht umsonst.
Andererseits, bin ich der Meinung, das jeder das Recht hat sich weiterzubilden, auch nach seinem 30. Jahr. Und weil Dolmetscher besonders teuer sind, wird für vielen dieses Recht eingeschränkt wenn man einen Dolmetscher nicht selbst finanzieren kann, was meistens der Fall ist.

Wie das hier in der Schweiz geregelt ist, weiss ich nicht genau, weil ich bisher noch keine Dolmetscher gebraucht habe. Man hat mir aber gesagt, dass wenn ich zum Beispiel für Vorstandssitzungen einen Schriftdolmetscher einstellen möchte, ich das selber bezahlen muss. Freiwilligenarbeit wird als etwas privates betrachtet und ich habe selbst die Entscheidung getroffen mit zu machen. Falls ich dann einen Dolmetscher brauche, dann ist das halt meiner private Sache. Wenn Sie wissen, dass einen Schriftdolmetscher für 2 bis 3 Stunden mir mit Sicherheit etwa 500 CHF kosten würde, dann werden Sie wohl verstehen dass ich das nicht aus eigener Tasche zahlen will (auch nicht wenn ich könnte), oder das zur Laste der Verein kommen lassen will.
Zum Glück habe ich eine FM-Anlage die ich zur Vorstandssitzungen benutzen kann und das funktioniert gut, obwohl ich nach 2 bis 3 Stunden Sitzung total Müde bin, und mit Schriftdolmetscher weniger anstrengend wäre.

Natürlich müssen der Politik und den Behörden gewisse Grenzen stellen. Zum Glück ist das Solidaritätsprinzip in viele Fälle noch Grundsatz für Versicherungen und Instituten wie das IV. Ich zahle zum Beispiel bei der Krankenkasse auch für Wochenbettsorge, obwohl ich das selbst nie benutzt habe und auch nie benutzen werde. Und anderen zahlen an meinem Hörgerät mit, wenn ich ein neues brauche. Vergessen wird aber manchmal, das mir das Hörgerät, was ich unbedingt brauche um überhaupt funktionieren zu können, mir selbst tausenden Franken mehr kostet, samt Batterien und Zusatzgeräte. Wenn ich arbeite, wird das IV ein Teil davon schon bezahlen. Da ich aber keine bezahlte Arbeit habe, geht man davon aus, dass ich das alles nicht brauche, nicht mal bei meinen vielen Freiwilligenarbeiten. Stellt sich die Frage, wie viel die Gesellschaft meine und mit mir die Freiwilligenarbeit vielen Anderen wert ist.

Was ich damit andeuten will ist, es sind oft nicht nur die Regelungen, wie für diesen jungen Mann in den Niederlanden, die uns Beeinträchtigten einschränken, sondern wie die Gesellschaft damit umgeht. Theoretisch steht das niederländische Gericht, was dem Antrag des jungen Mannes abgelehnt hat, in ihrem Recht. Aber was bedeutet das für diesem jungen Mann und andere Hörbeeinträchtigte? Was für eine Gesellschaft hat zu so einer Regelung geführt? Und wie wollen wir als Gesellschaft mit unseren Beeinträchtigten umgehen? In wie fern unterstützen wir die Integration und Inklusion der Beeinträchtigten in unsere Gesellschaft und wie viel Geld stellen wir dafür zur Verfügung? Fragen die dringend mal eine Antwort brauchen, schon nur der Gerechtigkeit wegen.

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2 Gedanken zu “Dolmetscher

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