Ablesen


Ablesen
Quelle: http://de.freeimages.com/photo/lips-1542058

Heute möchte ich Ihnen gerne etwas über Ablesen erzählen. Wenn man in einem Wörterbuch unter Ablesen sucht, zeigt das Wörterbuch, zum Beispiel Duden, als Synonyme:

(Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/ablesen_etwas_Geschriebenes_lesen)

Diese Synonymen zeigen schon, dass Ablesen mehr bedeutet als nur auf die Lippen schauen. Das Gesicht und die ganze Körpersprache spielen beim Ablesen eine Rolle.

Wenn ich das Gesicht meines Gegenübers nicht richtig sehen kann, bekomme ich vom Gesprochenen weniger mit als sonst. Deswegen ist eine gute Lichtverhältnis für Hörbeeinträchtigen sehr wichtig: man muss sein Gesprächspartner(n) gut sehen um ablesen zu können. Wie oft es nicht passiert, dass ich mein Mann oder ein anderer Guthörende sagen muss, „kannst du bitte im Licht kommen, damit ich dich sehen kann, sonst verstehe ich dich nicht gut“.
Stellen Sie sich mal vor einem Spiegel und versuchen sie mal ohne Stimme folgender Satz zu sagen: „Der Kaffee ist in der Kanne“ oder „Das Pferd ist braun“. Und achten Sie bitte darauf wie gut man sehen kann wie der K, der P und der B ausgesprochen werden. Sehen Sie die Unterschiede? Wahrscheinlich sehen Sie der K kaum und der P und B sehen fast ähnlich aus, oder?

Wenn man nur von Ablesen abhängig ist und man ca. 30% verstehen kann von das was gesagt wird, dann bedeutet das, dass Hörbeeinträchtige mehr brauchen als nur vom Lippen ablesen. Und das ist genau der Grund, das Ablesen mehr ist als Lippenlesen. Hörbeeinträchtige achten ebenfalls auf der ganze Körpersprache. Wenn dass was den Lippen sagen, nicht mit der Rest der Körpersprache übereinstimmt, gibt das Verwirrung. Wenn ich zum Beispiel verstehe „Die Katze schläft“ und die Katze ist im gleichen Moment mit seinen Pfoten am schlagen, dann weiss ich das etwas nicht stimmt. Und ich bin verwirrt. Nun hätte ich in diesem Beispiel wahrscheinlich schliesslich die richtige Schlussfolgerung gezogen, dass ich das Gesagte falsch verstanden habe, aber dieses Beispiel macht schon klar, dass viele Hörbeeinträchtige sich in Gespräche unsicher zeigen, weil beim Ablesen die verschiedene Signale nicht übereinstimmen.

Beim Ablesen sind ein Paar Regeln besonders zu beachten: der abzulesen Person soll gut sichtbar sein, deutlich (aber nicht übertrieben!) und nicht zu schnell reden. Und, ja, es muss gesagt werden … Schnurrbärte verhindern meistens eine gute Sicht auf den Lippen!

Es gibt spezielle Kurse, in dem man das Ablesen beigebracht wird. Neulich habe ich in einem Buch gelesen, Deaf Sentence von David Lodge, in dem der Hauptperson, mehr oder weniger unter Druck seiner Umgebung, einen Ablesekurs besucht hat. Ob so ein Kurs einem etwas bringt, ist sehr persönlich. Ich selbst habe so einen Kurs nie besucht und habe mir das Ablesen selber beigebracht. Ich habe es gar nicht bewusst gelernt, aber scheinbar habe ich es mir automatisch angewöhnt, wenn jemand mit mir redet auf das Gesicht und auf andere Signale zu achten. Für mich funktioniert es so.

Der wichtigste Grundregel beim Ablesen darf hier zum Schluss natürlich nicht unerwähnt bleiben: Der ablesende und der abzulesende Person sollen beim Reden Blickkontakt herstellen und behalten!
Guthörende empfinden es manchmal als sehr störend, wenn sie ständig beim Reden angeschaut werden. Nun, liebe Leser und Leserinnen, falls Sie zu dieser Kategorie gehören, möchte ich Sie in diesem Fall jedoch um Verständnis bitten. Behalten Sie einfach im Hinterkopf, dass ihr hörbeeinträchtige ZuhörerIn sich einfach viel Mühe macht zu verstehen was Sie zu sagen haben und Sie nicht „anstarren“ um unhöflich zu sein!

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