Wachsam


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Quelle: https://pixabay.com/de/erdm%C3%A4nnchen-tier-wild-tierwelt-255564/ Lizenz: CC0 Public Domain / FAQ

Vor kurzem hat mir jemand geraten, mal etwas auszuprobieren. Und zwar, nach anstrengende Gespräche, oder nach einem anstrengenden Tag, ab und zu mal meine Hörgeräte auszuschalten oder gar herauszunehmen. Damit könnte ich für mich vielleicht ein bisschen Ruhe kreieren.
Da ich die Ratgeberin kenne und ich immer offenstehe für gute Ratschläge, habe ich ihren Ratschlag ein paar Mal probiert und habe bemerkt, dass das für mich leider nicht so funktioniert. Nicht probiert ist aber nicht funktioniert, nicht wahr?!

In der Praxis stellte sich heraus, dass, wenn ich meine Hörgeräte nicht im Ohr habe oder wenn sie nicht eingeschaltet sind, meine Tinnitus (Ohrgeräusche) lauter und der Lärm in meinem Kopf sogar lauter statt weniger wird.
Ausserdem fühle ich mich verunsichert und unruhig, weil ich ständig schaue ob ich nicht verpasse, dass jemand mir etwas sagen will. Auch wenn ich zu Hause bin. Scheinbar habe ich mir diese „Wachsamkeit“ so eigen gemacht, dass sie automatisch hervor kommt, ausser wenn ich sehr im Gedanken vertieft bin oder lese.

Wenn ich lese bin ich meistens so entspannt, dass sich meine „Wachsamkeit“ auch frei nimmt. Genau das Gleiche passiert meistens, wenn ich draussen bin.
Hier in meinem Wohnsitz kenne ich mittlerweile viele Leute und wenn ich draussen bin oder beim Einkaufen, kann es schon vorkommen dass ich Bekannte begegne. Wenn ich alleine unterwegs bin, bin ich meistens so in Gedanken vertieft, dass ich oft meine Umgebung kaum bewusst wahrnehme. Es ist sicher öfters passiert, dass ich an einem Bekannten vorbei gegangen bin, ohne ihr/ihm zu grüssen, weil ich ihr/ihm nicht gesehen habe. Das mache ich ganz und gar nicht mit Absicht, sondern weil es so viel Lärm draussen gibt, habe ich mich angewöhnt mich in meinen ruhigen Gedanken zurück zu ziehen. Man könnte es sehen als eine Art Selbstschutz. Nur den Verkehr hat meine Aufmerksamkeit!
Auch wenn ich mit anderen zusammen bin, konzentriere ich mich so auf das Gespräch, dass ich ebenfalls meine Umgebung weniger wahrnehme.
Es kann manchmal auch zu komische Situationen kommen. So war ich letzte Woche kurz bei mir in der Nähe einkaufen und wurde von einem Passanten nach dem Weg gefragt. Abgelenkt wie ich war, stosse ich im Laden auf eine Bekannte die ich dort sowieso nicht erwartet hatte und erst nach kurzer Zeit wurde mir bewusst wer sie war. Wir haben kurz geplaudert und gingen weiter. Auf den Rückweg, traf ich auf eine zweite Bekannte, die ich seit längeren Zeit nicht mehr gesehen hatte und zuerst nicht sofort einordnen konnte. Es klärte sich alles schnell auf und nach eine gemütliche Unterhaltung gingen wir beide unseren Weg.
Nach solche Situationen, nehme ich mich immer vor, „wacher“ zu bleiben wenn ich draussen bin. Es bedeutet für mich aber, dass ich im Kopf einen Knopf umdrehen muss, von ruhige Gedanken auf Wachsamkeit. Und Wachsamkeit bedeutet wieder ein bisschen mehr Anstrengung. Es ist halt der Kunst, eine gute Balance zu finden.
Mein Kopf wird wirklich erst leer, wenn ich laufen gehe mit meinen Nordic Walking Stöcke. Wir wohnen nicht unweit eines Flusses und ich laufe gerne eine bestimmte Strecke an der Fluss entlang und zurück. Die Chance einen Bekannten zu treffen ist dort nicht so gross und mein Handy lasse ich zu Hause. Genug Zeit nachzudenken, loszulassen, die Natur und die begegnete Tiere zu geniessen. Meine Erfahrung ist, wenn ich so eine kleine Stunde walke, ich viel entspannter bin als wenn ich meine Hörgeräte ausschalte. Deshalb glaube ich, dass jeder seine eigene Art und Weise entwickeln sollte sich zu entspannen um die Wachsamkeit mal auszuschalten. Das ist wichtig für jeder, aber vor allem für ohnehin belastete Hörbeeinträchtigte.

Aber sind Sie nicht überrascht oder enttäuscht, wenn ich Sie mal Gedankenverloren vorbeigehe ohne zu grüssen. Dann bin ich nur wieder abgeschaltet! Sprechen Sie mich in dem Fall ruhig an.

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