Autofahren


autofahren
Quelle: https://pixabay.com/de/auto-fahren-fahrzeug-rot-312338/Lizenz: CC0 Public Domain

Mich wurde schon öfters mal gefragt, ob Hörbeeinträchtigte, und besonders hochgradig Schwerhörige und Gehörlosen, Autofahren können. Meine Antwort war und ist stets klar: Ja, wieso nicht?!
Das erwerben der Fähigkeit autozufahren ist vielleicht ein bisschen komplizierter, jedenfalls der Praxis, und man muss gute Vereinbarungen treffen mit den Fahrlehrer, aber selbstverständlich ist das möglich.
Klar, es gibt natürlich welche Nachteile wenn man als Hörbeeinträchtigte autofährt. Eine Gehörlose Kollegin von mir hatte öfters Startprobleme, weil sie den Alarm für die Autolampen nicht hörte und manchmal vergass nachzusehen ob die Lichter aus waren.

Selbst hat es mir viel Geld und Mühe gekostet einen Führerschein zu bekommen. Das hatte, offen gesagt, nicht nur mit meinem Gehör zu tun, sondern auch mit der Komplexität des Verkehrs. Natürlich konnte ich den Fahrlehrer schwer ablesen, sonst hätte ich meinen Kopf stets in seiner Richtung drehen müssen und das wäre der Verkehr sicher nicht zugutegekommen. Aber für mich persönlich war das nicht die grösste Herausforderung. Man muss beim Autofahren auf so vieles gleichzeitig achten, dass mir das nicht so rasch abging. Manche haben das von Natur aus, manche, wie ich, eben nicht.
Ich habe auch sehr spät mit Autofahren angefangen. Zuerst hatte ich zu wenig Geld und kein Auto. Später kein Auto und ich wollte ja keine Sonntagsfahrerin werden durch zu wenig Übung.

Erst als ich beruflich dringend ein Auto brauchte, weil ich auch Klienten am Arbeitsplatz besuchen musste, machte es für mich Sinn. Ich werde Ihnen meinen Werdegang zur Führerschein ersparen, aber ich kann Ihnen das sagen: Ich war für einmal sehr stolz auf mich, als ich das begehrte Papier in den Händen hatte. An die ersten Wochen ohne Fahrlehrer denke ich nicht so gerne zurück. Anfängerfehler und Stress wurden mein Teil. Und der meines Mannes: er war so mutig und lieb, mich die erste zwei Wochen zur Arbeit zu begleiten und dann nachher mit dem Zug selbst zur Arbeit zu gehen. Er hat sein Leben riskiert, aber zum Glück ist alles gut ausgegangen. Nachher habe ich ziemlich viele Kilometer auf der Zähler gefahren, Stürme, Staus und andere Abenteuer überstanden. Nur ein paar Geschwindigkeitsbüsse für ein paar Kilometer zu schnell fahren, habe ich schon abbekommen. Ich fahre nicht gern schnell, sondern komme gerne voran, ehrlich!

Es ist mir aber schon ein paar Mal passiert, dass ich die Martinshorns der Polizei oder des Krankenwagens nicht oder erst sehr spät hörte. Im Rückspiegel habe ich sie aber gesehen und dementsprechend reagiert. Und das ist genau was wir, Hörbeeinträchtigte, immer machen: wir hören und kompensieren viel mehr mit unsere übrige Sinne. Im Falle des Autofahrens, vor allem mit den Augen.

Seit ich in der Schweiz bin, fahre ich kaum noch Auto. Obwohl mir das nicht gefällt, ich habe mir nicht umsonst so viel Mühe gegeben es zu erwerben und so gerate ich ausser Übung, das ÖV ist aber so gut, dass man das Auto normalerweise nicht braucht. Nur aus praktische Gründe miete ich mir ab und zu ein Auto, wenn ich meine Mutter besuche. Dann merke ich, dass man das Autofahren nicht verlernt, dass man aber das „Gefühl“ wieder aufbauen muss. Für jemand der auf der deutschen Autobahn schon mal 220 km/pro Stunde gefahren hat, ist das jedoch kein Problem.

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4 Gedanken zu “Autofahren

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