Bürokratie


Bürokratie
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Obwohl ich, laut meiner Umgebung, eine liebenswürdige, ruhige und vernünftige Person sei, kann mein Blut schon manchmal kochen. Grund dazu ist oft die unendliche Bürokratie die man überall im Leben begegnet. Auch wenn ich verstehe dass es Ordnung und Regel geben muss, weil sonst ein Chaos entsteht, treiben manche sogenannte Bürokraten es ab und zu wirklich zu weit.

So begleite ich ein hörbeeinträchtigter junger Mann bei der Suche nach Arbeit. Er hat schon seit einem Jahr Kommunikationsprobleme mit seinem IV Berater. Darauf habe ich vorgeschlagen zu einem Gespräch zu Dritt, damit ich der IV Berater etwas über Hörbeeinträchtigung erklären kann und die Kommunikation zwischen die Beiden etwas verbessert. Die Antwort der IV Berater war leider typisch Bürokratisch: austauschen dürfe er nicht ohne Vollmacht der Betroffene. Und dessen Unterstützung läuft ohnehin bald ab. Ich hatte jedoch echt ein Gespräch in Anwesenheit meiner Klienten vorgestellt. Dann ist es doch klar dass er zustimmt, oder habe ich hier etwas verpasst?
Gut, natürlich weiss und verstehe ich, dass man keine Information über Personen herausgeben darf. Das würde mich persönlich auch nicht gefallen. Dafür gibt’s Personendatenschutz und ich mache dies ja noch freiwillig, das heisst ohne formelle Rückendeckung.

Wenn mein Klient mich aber zum Gespräch mitbringen würde um ihn zu unterstützen und zu versuchen die Kommunikation zu seinem IV Berater zu verbessern, wäre das nun wirklich so einen Verstoss gegen die Regeln? Es geht doch um das Wohl der Klienten, oder? Ich, als Berater, würde mich freuen wenn ich keine Ahnung hätte wie ich mit einen Hörbeeinträchtigte Klienten umgehen sollte und jemand sich anbietet dabei behilflich zu sein. Schliesslich muss ich meinen Klienten vermitteln und wie soll das bitte gehen wenn ich nicht weiss wie mein Klient tickt?

Es ist leider nicht das erste Mal, und sicher nicht das letzte Mal, dass sich Bürokratie und Praxis nicht zusammengehen. Ich habe schon erlebt, dass Klienten, die wirklich physisch nicht arbeiten konnten, ihre IV Unterstützung entzogen und so gezwungen wurden trotzdem Arbeit zu suchen. Die Erfolgschancen auf fast null. An der Motivation hat es nicht gelegen. Es gibt nur wenigen die nicht arbeiten wollen. Aber wenn es nicht mehr geht, und man trotzdem muss, dann ist es eine andere Sache.

Auch in meinem Fall geht es nicht um Motivation, sondern um Realität. Selbst könnte ich absolut nicht mehr Vollzeit arbeiten, weil der Kommunikation mir zu viel Energie frisst. Dann braucht man halt mehr Zeit zum Erholen. Und so vergeht es mit mir viele andere Hörgeschädigten.

Wird es je in der Bürokratie durchdringen, dass es viele (Hör) Beeinträchtigten gibt, die gerne arbeiten wollen aber dazu mehr Unterstützung und Rücksicht brauchen? Nur weil sie nicht im Durchschnittsbild passen, stehen diese Menschen oft mit leeren Händen da.
Das kann doch die Absicht unserer Bürokratie doch nicht sein, oder?!

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