Anders


anders Quelle: D 24855998 © Corina Rosu | Dreamstime.com

Als ich 4 Jahre alt war, zog ich mit meinen Eltern und Bruder von einer Grossstadt um in ein kleines Dorf. Wir gehörten im Dorf zu den ersten „Aussenseiter“ die dort ein siedelten und als meine Mutter mich mit dem Velo in der Schule brachte, wurden wir nachgeschaut als ob wir außerirdische waren.
Als offenes und spontanes Kind, wurde ich schon bald als „anders“ betrachtet und fing in der Schule das Mobbing an. Vom Mobbing sind es nicht nur die Demütigungen, sondern die tägliche Spannung ob was passieren wird, die einem psychisch Schaden.
Da viele Mitschüler mit mir zusammen in die höhere Schule mit kamen, ging das Mobbing dort mehr oder weniger weiter. Echt wirklich befreit fühlte ich mich als ich mit meinem Studium an der Uni angefangen hatte. Neue Umgebung, neue Bekanntschaften, neue Chancen.

Inzwischen habe ich mich schon vor längere Zeit von dem unangenehmen Teil meiner Vergangenheit gelöscht, ein wenig nach dem Motto „was dich nicht tötet, macht dir stärker“. Die meisten meiner Mitschüler sind inzwischen zu vernünftige und verantwortliche Erwachsene herangewachsen, haben bestimmt schon vergessen dass sie in der Schule gemobbt haben und ein kleines, inneres Teil von mir, was wohl für immer etwas Unsicherheit und Verlegenheit mit sich bringen wird, weiss ich immer besser zu überspielen. Nur mit Öffentlichkeit fühle ich mich immer noch unwohl.

Wenn ich aber höre oder lese wie sich Personen in der Schule oder am Arbeitsplatz immer noch gemobbt werden, macht mich das gleichzeitig traurig und wütend. Nur weil jemand anders oder eingeschränkt ist und ein Hörgerät trägt, ist das noch keinen Grund zur Mobbing! Es gibt überhaupt keinen Grund zur Mobbing …
Trotzdem kommt es immer noch vor. Nicht nur durch Kinder, was einigermassen noch zu verstehen sei, aber auch durch Erwachsenen, die eigentlich besser wissen sollten.

Beruflich habe ich auch schon erlebt und gehört, wie Hörbeeinträchtigte von ihren Kollegen gemobbt oder mindestens anstandslos behandelt wurden. Und wie wehrlos ich damals dagegen war, desto streitvoller macht es mich heute. Deshalb möchte ich jeder gemobbter Person sagen: Lasst euch nicht runterkriegen und wehrt euch!

Ich kann mich zum Beispiel noch gut daran erinnern, dass ich mal in Englischunterricht einen Prüfungstermin falsch verstanden hatte, etwa wie den 14. statt 4. Als ich dann zum Prüfungsdatum im Klassenzimmer kam, war ich besonders unangenehm überrascht. Mein Lehrer meinte, ich sollte dann das Klassenzimmer verlassen und konnte die Prüfung später machen. Wütend habe ich die Tür zum Klassenzimmer zu geschmissen. Ich dachte es war alles absichtlich um mich zu ärgern.
Erst später habe ich verstanden, dass ich selber nicht ganz fehlerfrei gewesen war, weil ich das Datum nicht zur Sicherheit nachgefragt hatte. Seither frage ich immer noch sehr viel nach!

Da Mobbing oft aus Unverständnis entsteht, Unbekannt macht Unbeliebt, ist vor allem für Hörbeeinträchtige Aufklärung besonders wichtig und ich hoffe mit meinem Blog einen kleinen Tropfen Aufklärung zu verbreiten …

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