Haus für Betagte


Haus für Betagte

Quelle: http://www.dreamstime.com/royalty-free-stock-photo-older-couple-sofa-image18454295

Seit fast fünf Jahre bin ich „Stammgast“ im Haus für Betagte in meinem Wohnort. Bis vor kurzem besuchte ich dort wöchentlich eine ältere Dame mit wenig Verwandtschaft. Sie hatte wenig Besuch und konnte diese wöchentliche Gesellschaft gut gebrauchen. Wir plauderten über vieles aber vor allem über ihre Vergangenheit und Gegenwart. Wenn das Wetter es zuliess, machten wir einen kleinen Spaziergang in direkter Umgebung des Hauses. Und wir tranken Kaffee, ein sehr wichtiges soziales Ereignis im Alltag der Hausbewohner. Wo möglich begleitete ich „meine“ Dame auch an spezielle Anlässe im Haus, zum Beispiel ein Besuch der Samichlaus oder Musikanlässe. Manchmal begleitete ich sie zum Akustiker. Oder ich kontrollierte für sie die Kleidung, ob es keine Flecken gab, weil sie selbst das nicht mehr sehen konnte und die Schwestern onehin schon viel zu tun hatten. Es waren ebenso die kleine Sachen die ihr halfen.

Nebenbei hatte und habe ich im Heim auch eine kleine Gruppe von Bewohnern, die ich einmal im Monat vorlese. Die Bewohner sehen meistens zu schlecht um selber noch lesen zu können. Auch „meine“ Dame gehörte zu dieser Gruppe. Die vorzulesen Bücher variieren von Lebensgeschichten bis zur Geschichte des Wohnortes. Mir macht es sehr viel Freude und die Bewohner kommen gern.
Leider ist „meine“ Dame vor ein paar Monate gestorben und mache ich jetzt eine kurze Pause, bis ich wieder bereit bin eine neue BewohnerIn zu besuchen. Die Vorlesungsrunde geht aber weiter. Und dabei lerne ich meistens sehr viel! Nicht nur wie vielfältig die Geschichte meines Wohnorts ist, sondern auch aus dem früheren Leben und Alltag in der Schweiz. Die vorgelesenen Geschichten sind meistens gute Anlässe Erinnerungen der Gruppenteilnehmer aus zu lösen. Ich höre dabei immer gerne zu, weil ich ja nicht umsonst Historikerin bin.

Zu Advent organisieren die Aktivitäten Therapeutin und ich eine Adventsfeier im Haus. Das heisst: wir laden die Bewohner an einem Nachmittag ein zum Kaffee oder Punch, natürlich mit Güezli (von Bewohnern gebacken) geschmückt, wir lesen Adventsgeschichte und –Gedichten vor und wir singen Weihnachtslieder zusammen. Diese Adventsfeier ist meistens gut besucht.

Nach so einem Nachmittag bin ich wirklich total erschöpft, aber sehr zufrieden. Wenn man ältere Leute, die meistens schlecht hören, sehen oder gehen, einen schönen Mittag bereiten kann, was bedeutet dann noch die eigene Beeinträchtigung?

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